Zitat Zitat von Alex R. Beitrag anzeigen
Sorry, sehe ich anders. Woran willst du festmachen, dass dein Leben akut bedroht war? Das als Grundlage genommen, wäre es durchaus denkbar, jmd abzustechen und sich hinterher mit genau diesem Argument rauszureden. Macht das Schule, haben wir demnächst Messerattacken allerorten.

Im Gegensatz zu einigen anderen hier im Forum bin ich kein ausgewiesener Experte für KK. Weder habe ich einen schwarzen Gürtel, noch eine schöne Urkunde für die Wand. Ich bin ein durchschnittlicher Mensch, der sich für Kampfsport interessiert. Aber selbst ich kenne min. 3 waffenlose Abwehren für so ziemlich jede erdenkliche Art von Angriff auf mich. Schusswaffen sind ausdrücklich ausgenommen.
Und da soll es irgendeine Variante geben, in der mich nur ein potenziell tödlicher Waffeneinsatz retten kann?
Mit ein wenig Nachdenken und ein klitzeklein bisschen Wissen über Körpermechanik sowie ein bisschen Wissen der Anatomie (EH-Kurs reicht schon) sollte so ziemlich jeder von alleine auf wenigstens eine Variante kommen.
Und jmd der ein Messer aus der Tasche fummeln kann, hat keine Panik. Schon gar nicht bei einem Taschenmesser, denn das muss man rausholen und ausklappen, bevor es einsetzbar ist. Und wenn er so abgebrüht ist, dass er das Messer noch rausholen und einsatzbereit machen kann, dann ist er auch abgebrüht genug, zuerst einen Stich oder Schnitt in nichtvitale Körperteile zu machen.

Ergo:
Ein sofortiger Angriff auf vitale Körperteile ist niemals das mildeste Mittel.
Ebenfalls sorry. Das ist eine Forderung, die völlig an der Realität vorbei gedacht ist und ich bin verdammt froh, dass offenbar selbst die Gerichte das anders als Du sehen (siehe verlinkter Artikel im Post von hand-werker und auch die hier befindlichen Ausführungen auf dieser Homepage
Selbstverteidigung und Notwehr
einer Krav Maga Schule, die ich gefunden habe, wo in den ersten Abschnitten ein SV-Fall mit tödlichem Ausgang für den Angreifer geschildert wird.).

Wenn Du genügend waffenlose Abwehrtechniken gegen jeden erdenklichen Angriff auf Dich kennst, dann freut mich das einerseits für Dich, es zeigt aber auch, dass Du in Kategorien eines Menschen denkst, der sich mit dem Thema SV und/oder Kampfkunst/-sport theoretisch und praktisch auseinander gesetzt hat. Außerdem hast Du, wie ich gelesen habe, als Türsteher gearbeitet und persönliche Gewalterfahrung.
Hierbei vergisst Du, dass es verdammt viele Menschen gibt, die weder das eine noch das andere von sich behaupten können. Menschen, die absolut gar keine Techniken in dieser Hinsicht beherrschen und auch keine nennenswerte Gewalterfahrung haben. Und ich behaupte, dass diese Menschen zahlreicher sind als diejenigen Deines Schlages. Das Alter und die körperliche Verfassung dieser Menschen lasse ich hierbei sogar außen vor!

Ich denke, dass sich mit genügend Energie, Vorstellungsvermögen, Recherche von tatsächlichen Fällen und etwas Geduld ein seitenlanger Thread mit solchen Varianten erstellen lässt. V.a. aus Konstellationen, in denen der Angreifer dem Opfer körperlich deutlich überlegen ist, lässt sich da so einiges stricken.

Stelle Dir meinetwegen eine Frau von 60 kg in Bodenlage im Rear Naked Choke eines 120 kg schweren Vergewaltigers vor, der sie bis zur Bewusstlosigkeit würgen möchte, um sie dann zu fesseln und sein Vorhaben durchzuziehen. Die Frau hat ca. 10 Sekunden Zeit bevor, sie ohnmächtig wird. Ich würde dieser Frau zu nichts anderem raten, als - mit was auch immer sie greifen kann oder verfügbar hat – so schnell wie möglich auf alle vitalen Stellen des Angreifers zu zielen, die sie erreichen kann. Auf nichts anderes als auf vitale Stellen! Was nützt ihr hier ein Schnitt z.B. in den Unterarm des Angreifers, wenn ihr kurz danach die Lichter ausgehen, der Kerl anschließend in aller Ruhe seinen blutenden Arm verarztet und dann da weitermacht, wo er aufgehört hat? Hinzu kommt, dass Schnitte und Stiche, insbesondere in Extremitäten oder weniger empfindliche Körperregionen, in Extremsituationen, wo viel Adrenalin im Spiel ist, oft erst mit sehr großer Verzögerung bemerkt werden. Das kann ich sogar aus eigener Erfahrung sagen. Bis der Angreifer überhaupt Schmerz spürt, ist die Frau wahrscheinlich 3x "eingschlafen". Ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass ich auf der Matte – und damit unter halbwegs kontrollierten Bedingungen – mehr als einmal ausgechoked wurde. Mein Wissen über Körpermechanik und Anatomie hat mir da nicht das Geringste genützt. Und Zeit zum "ein wenig Nachdenken", wie Du schreibst, war da schon mal gar nicht! Beim ersten Mal habe ich die Situation als solche zu spät erfasst und war prompt ganz einfach weg. Bei den beiden Malen danach, habe ich tatsächlich versucht durch eine waffenlose Abwehr (denn auf der Matte lag gerade keine herum) herauszukommen und war einerseits verzweifelt und kurz vor Schluss tatsächlich panisch, andererseits aber auch eine Sekunde zu lang zu stolz um abzuklopfen. ==> Gute Nacht.

Ich weiß, dass es ein paar Würgegriffe gibt, aus denen ich mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr befreien kann. Dieses Wissen bewahrt mich nicht davor, im Randori nicht doch wieder in einen solchen zu geraten. Würde mir dasselbe also auf der Straße wiederfahren, sähe ich es nicht im Geringsten ein, mich aus falscher Rücksicht bis zur Bewusstlosigkeit würgen zu lassen, und mein Leben komplett in die Hände des Angreifers zu legen, nur um dessen Leben zu schonen.

Was dieselbe Situation für die o.g. körperlich total unterlegene und in Sachen Kampfsport völlig unbedarfte Frau bedeutet, muss ich kaum weiter ausführen.