Ok, danke!
Ich denke, das hilft mir die Sache besser zu verstehen. Deine Antworten muss ich noch mal durchdenken, ich schreibe später dazu.
Zu deiner Threadfrage:
Ich habe ja ausgeführt, dass ich ein Atheist bin und dass ich mein Kind nichtreligiös erziehen würde - noch habe ich aber keine Kinder, also auch keine Erfahrung darin eigene Kinder zu erziehen.
Nichtreligiös, weil meine Erfahrungen mit der Religion/Kirche durchweg negativ waren. Mit negativ meine nichts großartig Dramatisches, aber ich selbst habe stets sehr viel Heuchelei und Scheinheiligkeit erlebt. Ich wurde auch, als ich klein war, oft in die Kirche geschleppt, um mir sterbenslangweilige Predigten anzuhören und das von Leuten, die Wasser predigten und Wein soffen. Auch habe ich erlebt, wie furchtbar einige tiefgläubige Menschen ihre Verwandten behandelt haben, als diese auf Ihre Hilfe hofften.
Darauf angesprochen gab es das Zitat: "Ich brauche nur meinen Gott um Verzeihung zu bitten, dann ist alles wieder gut."
Das sind eigentlich Einzelfälle, aber das Konstrukt Kirche scheint mir solches Verhalten zu begünstigen und das unabhängig von der Glaubensrichtung (man schaue sich zb. die blutigen Konflikte, die die Buddhisten untereinander geführt haben).
Daher ist meine Einstellung zur Kirche negativ.
Anders sehe ich das bei dem Glauben: dort habe ich erlebt, dass der Glaube einigen Menschen in meinem Umfeld unglaubliche seelische Kraft verliehen hat. Wenn man so will, ist der Glaube ein Vertrauen. Dieses Vertrauen hat sein Gutes (unabhängig von dem zu glaubenden Gott/Wesen/Prinzip), es kann aber auch blind machen. Ich betrachte es daher als ein nützliches und manchmal gefährliches Tool. Ich persönlich schöpfe eine Kraft aus meinem Glauben daran, dass kein intelligender Schöpfer hinter allem steht, sondern ich selbst alldem einen Sinn gebe und meine Entscheidungen treffe. Deshalb habe ich vorhin gesagt, dass mein Atheismus durchaus mit einem Glauben vergleichbar ist (es gibt aber viele Atheisten, die schlicht nicht glauben, das sollte man nicht übersehen und respektieren).
Bezogen auf die Kindeserziehung möchte ich das Kind pragmatisch erziehen - es soll die Verfügbaren Tools nutzen, die einen Vorteil bringen - selbst wenn es bedeutet, dass es später in eine Kirche eintritt. Aber ich will es nicht von vorneherein einengen und dessen Weg vorbestimmen. Das kann ich auch gar nicht, weil ich ja selbst "gegen Gott" glaube und daran, dass der Mensch von sich aus gut sein kann, ohne einen großen Hirten.
Also wird es bei mir darauf hinaus laufen, dass ich dem Kind die für mich gültige Moral vorlebe und es so gut es geht über die Funktionsweise der Religionen, Kirchen und Glauben aufkläre. Wobei jetzt beim näheren Nachdenken das Thema wahrscheinlich gar keine große Rolle spielen wird, denn ich sehe viele andere Erziehungsthemen als wichtiger an, als Religion. Und die Moral wird eh nebenbei gelehrt bzw. ständig vorgelebt.
Bringt dir diese (meine) Ansicht zum Thema Religion und Erziehung etwas?
Und wenn ich noch eine Metapher aus dem Bereich KK/KS bemühen dürfte:
Eine Kampfkunst zu betreiben, kann meine Kampffähigkeit erheblich stärken.
Eine Kata ritualisiert einige Abläufe meiner KK und kann helfen meine KK-Fähigkeiten zu verbessern.
Eine KK-Schule ermöglicht mir das Ausüben und Trainieren meiner KK an einem Ort.
Eine Kampfkunst zu betreiben, ist jedoch keine Garantie dafür, dass man kämpfen kann. Wiederum gibt es Leute, die statt KK eine KS betreiben, oder gar nichts und trotzdem kämpfen können.
Eine Kata - nur um seiner selbst Willen angewendet - lehrt mich nur den Katalauf, aber nicht das Kämpfen.
Eine Schule, die sich nur mit sich selbst und der eigenen KK beschäftigt, läuft die Gefahr wichtige Entwicklungen zu verpassen und zu einem impotenten Inzuchtverein zu werden, der den Bezug zur Realität verloren hat.
In dieser Metapher sind:
KK - Glaube
KS - Nichtglaube
Kata - Religion
Schule - Kirche
Habe ich die richtige KK erwischt, übe die Katas sinngemäß aus und bin in einer richtigen Schule, so bringt es mich enorm nach vorne. Wenn nicht dann nicht. Genau das Gleiche gilt für die KSler und daher sei jedem das gegönnt, womit er erfolg hat.
Ich brauche weder KK noch KS, um zu kämpfen.
Ich brauche keine Kata, um zu kämpfen.
Und ich kann in verschiedenen Schulen trainieren - sofern diese das zulassen. Ich brauche also nicht das eine Dojo, um Kämpfen zu lernen.
Das alles kann mir helfen und es kann mich von meinem Weg abbringen (Yellow Bamboo) und die Wege zum Erfolg oder Mißerfolg sind ungezählt.







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