Im KM, wie ich es kenne, wird intensiv am Umgang mit körperlich überlegenen Gegnern gearbeitet. Ebenso an nachteiligen Situationen: Verteidiger am Boden vs. Gegner steht, Verteidung gegen mehrer Angreifer, Verteidigung bei eingeschränkter Sicht/Gehör, Verteidigung unter Streß, Verteidigung nach Erschöpfungstraining, ... .
In Schulungen zu Selbstschutz und Eigensicherung, die ich kennengelernt habe, geht es zwar zunächst immer um das Einüben von Teaminterventionen.
Dann aber gerade auch um den Umgang mit Situationen, in denen der Aggressor körperlich überlegen ist. Das bezieht sich nicht allein auf Gewicht oder Körperkraft. Sondern auch auf Aspekte die sich aus psychischen Erkrankungen oder auch mangelndem Schmerzempfinden oder dergleichen ergeben. Selbst kleine Menschen können ungeahnte Ressourcen aktivieren.
Auch aus dem aikidô kenne ich das Üben mit größeren und stärkeren Angreifern, um die eigenen Ressourcen zu erweitern. Und bestimmte Übungsformen, bei denen man dem Angreifer bewußt einen körperlichen Vorteil überläßt. Wir üben fast auschließlich so, daß wir einen Angriff sich erst voll entwickeln lassen.
Und auch in den japanischen budô wird der Umgang mit überlegenen Gegnern geübt: Unterschiedliche Waffen gegeneinander, wie Stab/Schwert, Naginata/Schwert, Kurzschwert/Langschwert. Oder unbewaffnete Verteidigung gegen bewaffneten Angriff. Oder battô im Kniesitz gegen stehenden Angreifer ...
Der Gründer hat das, was er geübt hat, zeitlebens "budô" genannt: 武道.Wenn ich Aikido nicht als Kampfkunst verstehe, dann ... fehlen mir auch die Worte, das zu beschreiben, was ich übe.
Deswegen verweise ich mal auf den Gründer: ...
Das ist das japanische Wort für Kriegs- oder Kampfkunst.
Ich fände es sehr spannend, wenn du ein Wort fändest, für das, was du übst oder was ihr übt. Ich habe den Eindruck, daß da aus der Synthese von Zen und aikidô im Laufe der Zeit etwas entstanden ist, daß einen ganz eigenen Charakter hat. Vielleicht in einem ähnlichen Sinne, wie auch Noro sensei auf der soliden Basis seines aikidô etwas neues entwickelt hat, das diese Basis immer noch enthält, aber doch auch transzendiert.
Mir scheint, daß sich das Üben im Laufe der Jahre ganz organisch in eine solche Richtung bewegt: Weg von der Arbeit daran, sich körperlich verteidigen zu können und statt dessen hin zu einer Arbeit daran "besser leben" zu können.





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