Mein Beitrag #25 war wirklich unüberlegt, da war ich wohl mit den Gedanken schon woanders. Bitte um Entschuldigung.
Natürlich steht es außer Frage, dass nach dem Selbstverständnis des Aikikai, Aikido ein Budo und eine Kampfkunst ist.
武道 wird von Übersetzungsprogrammen mit "martial art" oder "Kampfkunst" übersetzt; kann also sein, dass es im Japanischen dann keinen Unterschied gibt. Im Deutschen und Englischen beschreibt die Wikipedia Budō als "japanische Kampfkunst".
Die Frage ist, ob Budo eher als ein Weg des Krieges, einer Kunst des Kämpfen Könnens, in der es in erster Linie um Effektivität geht, oder als ein Weg zur Selbstverwirklichung, als spiritueller Weg zu verstehen ist, in der Effektivität zweitranging oder unwichtig ist, so wie es Guillaume Erard in seinem Interview in The Suprising Origins of Budô diskutiert.
Angenommen, ich würde mich dazu bekennen, dass Aikido ein Budo und eine effektive Kampf-Kunst, geeignet für SV auf der Straße - nicht nur anonym in einem Forum, sondern vor Kollegen, Familienangehörigen, Freunden, Bekannten. Da würde ich doch nur Hohn, Spott oder ungläubiges Kopfschütteln ernten. Könnte ich wirklich mein im Aikido erworbenes Können für die SV auf der Straße nutzbringend anwenden? Könnte ich es in einem Sparring mit anderen Kampfsportlern, vielleicht im Rahmen eines Wurf-Seminars für Wurf-Interessierte, überzeugend zeigen? Ehrlicherweise muss ich diese Fragen verneinen. Ein guter Judoka hat mich kürzlich mal auf der Matte mir (und mit mir) 3 Hüftwürfe ganz kurz hintereinander (u.a. O-Goshi) demonstriert (immerhin ist mein Ukemi schon so weit automatisiert, dass mir die Würfe nichts ausgemacht haben). Da ist ganz klar, dass ich gegen den in einem Sparring, Randori oder gar echtem Kampf nicht den Hauch einer Chance hätte. Aber im Rahmen des Aikido-Keiko verhält derselbe Judoka sich kooperativ und lässt er sich wie die allermeisten anderen Aikidoka auch für mich leicht bewegen. Und selbst Partner, die nebenbei Kickboxen üben, entschuldigen sich brav, wenn mal zufällig ungewollt eine Hand den Kopf oder das Gesicht streicht.
Ich kann auch nicht die immer wieder wiederholten Diskussionen um die Effektivität des modernen Aikidos hier im KKB und anderen Plattformen ignorieren. All das zeigt mir, dass das Üben von Aikido alleine nicht geeignet ist, sich für Kampf und SV zu wappnen. Und ich lehne es auch ab, mir irgendwelche Illusionen zu machen.
Sicherlich gibt es Möglichkeiten, die über das normale Aikido-Training, wie ich es kenne, hinausgehen, z.B.:
Oder man müsste so üben, wie es die ersten Aikido-Lehrer in Europa in den 50ern wie Tadashi Abe und Kenshiro Abbe, die noch Aiki-Budo kannten, vermittelt hatten, siehe http://is-aikido-martialart.blogspot.com/. Was noch Schläge und Tritte mit der Intention jemanden K.O. zu hauen beinhaltete.Ich hatte vorher mehr als zehn Jahre lang ein aikidô gelernt und geübt, in dem des um Effektivität ging. Mit Crosstraining, Bodenkampf, atemi an Sandsack und Pratze, Headbutts üben undsoweiter ... . Und ich habe dieses Üben übertragen in betriebliche Fortbildungen zum Thema "Selbstschutz und Eigensicherung" und dabei erlebt, wie sich das Üben abseits der Matte umsetzen läßt.
In dem anderen Thread heißt es: Der Wert des Übens liegt in sich selbst. Man übt, um dem näher zu kommen, was geübt werden soll - und zwar im Dojo meines Lehrers. Durchlässigkeit, Weichheit, innere Verbundenheit haben einen Wert in sich, ohne dass ich da an Anwendung für Kampf oder SV denken muss. Wie schon gesagt, würde mich persönlich der Gedanke an Kampf und SV an der Entwicklung all dessen hindern. Das Üben verstehe ich also als ein Miteinander, in dem Tori dem Uke die Erfahrung des Ukemi entsprechend seiner Erfahrung vermittelt und in dem Uke Tori die Gelegenheit, gibt die Wurf- und Halte-Techniken zu studieren. Körperarbeit, die nicht an Formen gebunden ist, entfernt sich nach meiner Erfahrung noch weiter von einem Kampf-Training.






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