Vielen Dank für den konstruktiven Diskussionsbeitrag. Was ich an dem Video zu erkennen glaube ist, dass zumindest die Schienen am Unterarm nicht oder zumindest nicht federhart gehärtet sind, sonst würden die sich nicht so ohne weiteres dauerhaft verformen. Ist halt die Frage, ob das immer bzw. intentionell so ist. So würde ich zustimmen, dass das primär ein Schnittschutz ist.
Natürlich, darauf wollte ich mit der Unterscheidung Block und Parade hinaus. So, wie ich die Terminologie gelernt habe, ist ein eher Block statisch (Kraft gegen Kraft), eine Parade dagegen dynamisch (mehr ein «Umleiten» als ein «Stoppen»), wobei es natürlich Zwischenformen geben kann. Ich möchte das auch nicht zu einer absoluten Definition erheben, sondern führe es lediglich zwecks Findung einer gemeinsamen Diskussionsbasis an.
Das wird jetzt ein kleines bisschen off-topic, aber ich hoffe, man nimmt es mir nicht allzu übelIm europäischen Harnischfechten zu Fuss trägt man in der Regel Vollplatte über einem gepolsterten Gambeson. Das sieht man sehr gut zu Beginn des Königsegger Codex aus den 1450ern (https://wiktenauer.com/wiki/Hans_Tal...K%C3%B6nigsegg unter «armored fencing», übrigens eine sehr spannende Quelle, da sie neben den Ausbildungsszenen nach Art einer graphic novel auch den faktischen Verlauf eines konkreten Duells Technik für Technik wiedergibt). Die Harnischplatten sind ausreichend stark dimensioniert und gehärtet, da kommt man mit der Schneide faktisch nicht durch (allenfalls mit der Spitze im Bereich der Überlappungen), auch stumpfe Verletzungen sind an den meisten Zonen wie den Unterarmen oder der Brust praktisch ausgeschlossen. Daher wird im Harnischfechten das Schwert in der Regel in der Klinge für Halbschwerttechniken gefasst, um gezielt mit der Spitze arbeiten und besser am Schwert ringen zu können, oder sogar mit beiden Händen in der Klinge gefasst und ähnlich wie eine Mordaxt geschwungen, wobei die Parierstange sowohl für impact als auch wiederum als hakenförmige Ringhilfe zum Einsatz kommt. Teilweise hat auch der Knauf dornenförmige Fortsätze (sieht man im Abschnitt "Armored fencing" beim unten verlinkten Paulus Hector Mair, es gibt auch erhaltene Exemplare). Die Klinge ist zu einer sehr stabilen Schneide ausgeschliffen, sodass man damit zwar schneiden kann, aber eben auch problemlos in die eigene Klinge greifen kann (einige Schwerter haben noch speziell stumpfe «Griffzonen» in der Klinge, aber bei weitem nicht alle). Der Unterschied zum Blossfechten im 15. und 16. Jh. – klassisch zu sehen etwa bei Paulus Hector Mair in den 1540ern (https://wiktenauer.com/wiki/Paulus_Hector_Mair unter «long sword») ist enorm, die Mehrheit der Blossfecht-Techniken hat praktisch keine Analogie im Harnischfechten. Die von Dir verlinkte Partnerkata in Rüstung ist da aus meiner Sicht tatsächlich entschieden näher am europäischen Blossfechten als am Harnischfechten. Ich würde z.B. weitestgehend analoge Techniken z.B. im Codex Wallerstein (https://wiktenauer.com/wiki/Codex_Wa...I.6.4%C2%BA.2)) sehen, dessen jüngere Teile A und B (wohl 1470er) vermutlich für ein nicht-ritterliches Zielpublikum geschrieben wurden (mein persönlicher Favorit ist da ja die Anleitung auf fol. 74v «wie man einen Bauern ausraubt»
) Allerdings wird im europäischen Fechten generell sehr stark aus der Bindung gearbeitet (eine Tendenz, die ich im japanischen Fechten so weniger gesehen habe, was aber nichts heissen muss), und Halbschwerttechniken finden sich auch im Blossfechten z.T. am Langen Schwert und noch mehr am Langen Messer. Einen Rüstungstyp mit kleinen Metallplatten, die zwischen mehrere Textilschichten genietet sind, gibt es im europäischen Mittelalter auch, nennt sich in der Regel Brigantine. Ist aber in der Regel nur eine ärmellose Panzerjacke und eher Marke "kugelsichere Weste", verwendet u.a. bei Hofe (z.B. vermutlich für Wachpersonal). Es gibt einige gut erhaltene Beispiele, u.a. im Londoner Tower, ich kann aber aktuell aus Gedächtnis nicht sagen, ob da eine Trageweise mit oder ohne Gambeson vorgeschlagen wird.
Beste Grüsse
Period.






Im europäischen Harnischfechten zu Fuss trägt man in der Regel Vollplatte über einem gepolsterten Gambeson. Das sieht man sehr gut zu Beginn des Königsegger Codex aus den 1450ern (
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