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Vielen Dank für den konstruktiven Diskussionsbeitrag. Was ich an dem Video zu erkennen glaube ist, dass zumindest die Schienen am Unterarm nicht oder zumindest nicht federhart gehärtet sind, sonst würden die sich nicht so ohne weiteres dauerhaft verformen. Ist halt die Frage, ob das immer bzw. intentionell so ist. So würde ich zustimmen, dass das primär ein Schnittschutz ist.
Metallurgie ist sehr weit von meinem Feld entfernt, aber hier mal ein Link zu einem Blogartikel zum Thema Material japanischer Rüstungen (auf Englisch). Der Autor verweist auch auf seine Quellen im Artikel http://gunbai-militaryhistory.blogspot.com/2019/03/iron-and-steel-technology-in-japanese.html Soweit ich das verstehe gibt es nur sehr wenige Stahlrüstungen die aus gehärtetem Stahl bestanden (nur in einem Rüstungsteil hat man bisher Martensit gefunden). Ouyoroi wurden unter anderem auch aus Rohleder-Lamellen, die verschnürt und lackiert wurden, hergestellt. Gunbai beschreibt da einiges zur Herstellung und Bauart in den weiteren Blogartikeln. Auch die Kommentare sind (zum Teil) sehr lesenswert.

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Natürlich, darauf wollte ich mit der Unterscheidung Block und Parade hinaus. So, wie ich die Terminologie gelernt habe, ist ein eher Block statisch (Kraft gegen Kraft), eine Parade dagegen dynamisch (mehr ein «Umleiten» als ein «Stoppen»), wobei es natürlich Zwischenformen geben kann. Ich möchte das auch nicht zu einer absoluten Definition erheben, sondern führe es lediglich zwecks Findung einer gemeinsamen Diskussionsbasis an.
Deine Definitionen finde ich soweit in Ordnung. Wie man in dem Katavideo sehen kann, gibt es deutlich mehr Ausweichen und Parieren. Ein Block wird gerne direkt am angreifenden Körperteil angebracht, statt an der Waffe. Hier gibt es aber von Schule zu Schule Unterschiede, wie genau Parade und Block gelehrt werden. Auch ist generell bei Katavideos das Problem, dass einem die kuden (mündliche Überlieferung) dazu fehlt, sodass manches ggf. keinen Sinn macht. So wird man in manchen Schulen einen Block finden, der eigentlich nur eine statische "Momentaufnahme" einer an sich dynamischen Parade darstellt.

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[...]Die von Dir verlinkte Partnerkata in Rüstung ist da aus meiner Sicht tatsächlich entschieden näher am europäischen Blossfechten als am Harnischfechten. Ich würde z.B. weitestgehend analoge Techniken z.B. im Codex Wallerstein (https://wiktenauer.com/wiki/Codex_Wa...I.6.4%C2%BA.2)) sehen, dessen jüngere Teile A und B (wohl 1470er) vermutlich für ein nicht-ritterliches Zielpublikum geschrieben wurden (mein persönlicher Favorit ist da ja die Anleitung auf fol. 74v «wie man einen Bauern ausraubt» ) Allerdings wird im europäischen Fechten generell sehr stark aus der Bindung gearbeitet (eine Tendenz, die ich im japanischen Fechten so weniger gesehen habe, was aber nichts heissen muss), und Halbschwerttechniken finden sich auch im Blossfechten z.T. am Langen Schwert und noch mehr am Langen Messer. Einen Rüstungstyp mit kleinen Metallplatten, die zwischen mehrere Textilschichten genietet sind, gibt es im europäischen Mittelalter auch, nennt sich in der Regel Brigantine. Ist aber in der Regel nur eine ärmellose Panzerjacke und eher Marke "kugelsichere Weste", verwendet u.a. bei Hofe (z.B. vermutlich für Wachpersonal). Es gibt einige gut erhaltene Beispiele, u.a. im Londoner Tower, ich kann aber aktuell aus Gedächtnis nicht sagen, ob da eine Trageweise mit oder ohne Gambeson vorgeschlagen wird.

Beste Grüsse
Period.
Danke für die Erläuterungen zum Harnisch! Soweit mir bekannt ist die japanische Rüstung nie zu diesem Grad an "Verpanzerung" gelangt; auch wenn es durchaus sehr schwere und stark schützende Konfigurationen gab, bestanden diese meist aus mehreren Ketten-/Lamellenrüstungslagen, die dann auch die üblichen Schwachstellen bedeckten, z.B. unter den Achseln oder die Innenseite der Beine und Arme. Lediglich der Do (Brustpanzer) und Kabuto (Helm) wurden auch aus Platten gefertigt.

Hier ein anderes Katavideo, diesmal mit Stangenwaffen:

Beim ersten Abtausch sieht man gut, das Shidachi (in schwarz) am Ende die Innenseite der Kote schneidet. Der Angriff von Uchidachi (rot) zielte vorher auf den sarashi-obi (der weiße Gürtel, den beide tragen), da darunter keine Rüstung ist (oder auf die Innenseite des Oberschenkels, ist aufgrund der Abwehr nicht so eindeutig).