Das Chinesisch der Zhanguo-Zeit ist nahezu komplett monosyllabisch, auch wenn sich hier und da erste Ansätze hin zu bisyllabischen Konstruktionen ausmachen lassen. Zwischen einer Verbalnegation und einem Ausdruck für "nicht existent" besteht nunmal ein Unterschied. Das hat nichts aber auch gar nichts mit merkwürdigen Deutungen, die Du hier unterstellst zu tun. Vgl. http://hy.httpcn.com/html/kangxi/29/PWXVRNTBCQMECQPWCQ/ und http://hy.httpcn.com/html/kangxi/30/PWRNPWKOILMEPWKOPW/ - die Links zeigen das Spektrum halbwegs auf und das Kangxi Zidian ist nun wirklich weit davon entfernt, irgendwelche esoterischen Deutungen vorzunehmen. Der Morohashi wäre noch besser, aber für die Onlineversion sollte man wohl Japanisch können und daran mangelt es bei mir.
Auch die Analyse mithilfe unserer "Schulgrammatik" stößt schnell an ihre Grenzen, auch wenn es an vielen Unis nach wie vor so gelehrt wird. Insofern ist die Frage nach dem Verb eines Satzes hier nicht immer zielführend. Bei dem Beispiel 道 常 無 為 könnte ich 無 , das oftmals als Verbalpräfix klassifiziert wird, durchaus als Verb ansehen und müsste das üblicherweise verbal verwendete 為 entsprechend in der Übersetzung nominalisieren. Allerdings ist dies dann eher die Grammatik der Übersetzung. Sinnvoller wäre es, sich entweder der, wenn auch rudimentären Grammatik, die die Chinesen selbst für das Wenyan entwickelt haben zu bedienen, oder eine generische/Dependenzgrammatik zu nutzen. Letztere wird mittlerweile auch in einigen Fakultäten in den USA genutzt, um klassisches Chinesisch zu analysieren - bin da aber auch nicht mehr auf dem Laufenden, da meine Zeit als Student doch etwas zurückliegt. Bei Interesse an der Thematik kann ich den zwar alten, aber immer noch guten Gabelentz empfehlen. Alternativ: https://crossasia-books.ub.uni-heide...0-20190822.pdf
Dann sind wir uns dahingehend offenbar weitestgehend einig. Ich wäre ja froh, wenn mehr Geisteswissenschaften ihre eigene Methodik derart kritisch hinterfragten wie bspw. die Historiker, um endlich den Ruf der "Laberfächer" loszuwerden. Als künstlerischer oder narrativer Ansatz, bietet Autoethnographie sicherlich Möglichkeiten, interessante Ergebnisse zu liefern, nur ist es m. E. dann eben Forschung und keine Wissenschaft, was ich hier gar nicht abwertend meine.






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