Zeige Ergebnis 1 bis 15 von 394

Thema: Diplomarbeit Yiquan/ZhanZhuang

Baum-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #11
    Registrierungsdatum
    29.11.2016
    Alter
    46
    Beiträge
    31

    Standard

    Zitat Zitat von Klaus Beitrag anzeigen
    Es ist vermutlich sinnlos, aber die Deutung würde nur Sinn machen wenn zum Zeitpunkt als das Daodejing geschrieben wurde das 無為 bereits ein feststehender Alltagsbegriff aus älteren Texten und Lehren war, mit einer "klaren" Bedeutung im Alltag, und nicht mehr im Sinne der Einzelworte verwendet wurde. Dann erkläre doch mal einer wo da das Tu-Wort ist: 道 常 無 為.

    Die Dame die so generös zerrissen wird verwendet das Wort erstens selbst als zusammengesetzten Konstrukt (Nicht-Handeln mit Bindestrich) und damit als deutschen Eigen-Kurznamen für ein Konstrukt mit 25 Worten und Nebensätzen (natürlich nur aus Gründen der wissenschaftlichen Vollständigkeit), und erwähnt anderen Ortes auch die Interpretation als "absichtsloses Tun". Was auch wieder verkürzt ist, und irgendwie erstaunlich nahe am "wirken lassen der Leere im grünen Kosmos der Dunkelheit" (!!! und nicht anders !!!) ist. Aber, natürlich hat sie die vollständige Wahrheit nicht verstanden, weil sie sie gar nicht ertragen kann.

    Und jetzt lassen wir die Ente zu Wasser.
    Das Chinesisch der Zhanguo-Zeit ist nahezu komplett monosyllabisch, auch wenn sich hier und da erste Ansätze hin zu bisyllabischen Konstruktionen ausmachen lassen. Zwischen einer Verbalnegation und einem Ausdruck für "nicht existent" besteht nunmal ein Unterschied. Das hat nichts aber auch gar nichts mit merkwürdigen Deutungen, die Du hier unterstellst zu tun. Vgl. http://hy.httpcn.com/html/kangxi/29/PWXVRNTBCQMECQPWCQ/ und http://hy.httpcn.com/html/kangxi/30/PWRNPWKOILMEPWKOPW/ - die Links zeigen das Spektrum halbwegs auf und das Kangxi Zidian ist nun wirklich weit davon entfernt, irgendwelche esoterischen Deutungen vorzunehmen. Der Morohashi wäre noch besser, aber für die Onlineversion sollte man wohl Japanisch können und daran mangelt es bei mir.
    Auch die Analyse mithilfe unserer "Schulgrammatik" stößt schnell an ihre Grenzen, auch wenn es an vielen Unis nach wie vor so gelehrt wird. Insofern ist die Frage nach dem Verb eines Satzes hier nicht immer zielführend. Bei dem Beispiel 道 常 無 為 könnte ich 無 , das oftmals als Verbalpräfix klassifiziert wird, durchaus als Verb ansehen und müsste das üblicherweise verbal verwendete 為 entsprechend in der Übersetzung nominalisieren. Allerdings ist dies dann eher die Grammatik der Übersetzung. Sinnvoller wäre es, sich entweder der, wenn auch rudimentären Grammatik, die die Chinesen selbst für das Wenyan entwickelt haben zu bedienen, oder eine generische/Dependenzgrammatik zu nutzen. Letztere wird mittlerweile auch in einigen Fakultäten in den USA genutzt, um klassisches Chinesisch zu analysieren - bin da aber auch nicht mehr auf dem Laufenden, da meine Zeit als Student doch etwas zurückliegt. Bei Interesse an der Thematik kann ich den zwar alten, aber immer noch guten Gabelentz empfehlen. Alternativ: https://crossasia-books.ub.uni-heide...0-20190822.pdf

    Zitat Zitat von marasmusmeisterin Beitrag anzeigen
    Da sprichst du ein Grundproblem aller Geisteswissenschaften, vulgo "Laberfächer", an. Der Ethnologe hat eben kein Labor bzw. normierbare Instrumente, ob physisch oder immateriell, aber er hat Methoden. Argumentieren, zitieren, Tagebücher schreiben, Interviews auswerten, emische Deutungen, Fachdiskussionen etc. zur Überprüfung - eben "Labern", bzw. Schreiben - aber eben nicht mit Narrativen arbeiten. Es sei denn die sind reflektiert, absichtlich eingesetzt etc. Aber das ist noch ein weiter Weg, die Methode etabliert sich ja gerade erst. Insbesondere im Bereich der bewegungsmäßigen Eigenwahrnehmung als Forscher und gleichzeitig Erforschtes eröffnen sich da aber ganz neue Perspektiven.

    Im Übrigen bin auch ich bin der Meinung, daß gerade bei der Autoethnographie die Grenze zur Kunst wirklich dünn und durchlässig ist.
    Dann sind wir uns dahingehend offenbar weitestgehend einig. Ich wäre ja froh, wenn mehr Geisteswissenschaften ihre eigene Methodik derart kritisch hinterfragten wie bspw. die Historiker, um endlich den Ruf der "Laberfächer" loszuwerden. Als künstlerischer oder narrativer Ansatz, bietet Autoethnographie sicherlich Möglichkeiten, interessante Ergebnisse zu liefern, nur ist es m. E. dann eben Forschung und keine Wissenschaft, was ich hier gar nicht abwertend meine.
    Geändert von Han Fei (15-06-2020 um 23:49 Uhr)

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 2 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 2)

Ähnliche Themen

  1. Yiquan: Wollte Wang Xiangzhai mit dem Yiquan einen neuen Stil begründen?
    Von gast im Forum Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 20-01-2017, 20:31
  2. Zhanzhuang als Therapie
    Von dalong im Forum Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan
    Antworten: 45
    Letzter Beitrag: 19-09-2011, 21:42
  3. Lam Kam Chuen's Zhanzhuang
    Von yiquanberlin im Forum Video-Clips Chinesische Kampf- und Bewegungskünste
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 23-11-2009, 10:54
  4. zhanzhuang, unterer rücken
    Von macabre138 im Forum Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 21-11-2005, 22:59
  5. Eingeschlafene Fußsohlen beim Zhanzhuang
    Von pilger im Forum Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan
    Antworten: 19
    Letzter Beitrag: 24-02-2005, 09:14

Forumregeln

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •