Das erinnert mich an einen anderen Klassiker der chinesischen Philosophie, der mit der Frage "Kann man sagen, daß ein weißes Pferd kein Pferd ist?" beginnt, und ein Problem beschreibt, das überhaupt nur in der chinesischen Sprache besteht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gongsun_Longzi
Ich bin kein Sinologe, aber mir scheint, die chinesische Sprache bezieht sich mit ihren Schriftzeichen so sehr auf reale Dinge, daß abstraktere nur sehr schwer auszudrücken sind (das hab' ich auch bei Bauer ("Geschichte der chinesischen Philosophie") gelesen). Und was dann wirklich gemeint ist, ist noch schwerer in eine westliche Sprache zu übersetzen, bzw. gar nicht. Es ist eben ein anderes Denken, das wir letztlich nicht vollständig nachvollziehen können. Hinzu kommt, daß Sprache und Denken der antiken Gelehrten nochmal ganz anders war als heute im Jahr 2020.
Für meinen Alltagsgebrauch finde ich "Nicht-Handeln" für "Wu wei" gar nicht so schlecht. Wie schon gesagt, wirkt dann, wenn man nicht handelt, das Nichts von selbst auf die Dinge ein.
Ich persönlich verstehe das so: Man beobachtet den natürlichen Lauf der Dinge, im Aikido z.B. wie der Gegner sich gerade bewegt. Dabei erfolgt dieses "Beobachten" gleichzeitig mit dem Verstand und der Intuition. Man handelt dann so lange nicht, bis genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Dann muß man nur noch eine minimale Bewegung machen, und die Dinge entwickeln sich scheinbar mühelos in eine für einen selbst günstige Richtung. So.
Die Meditation (z.B. im Zhan Zhuang) hilft einem, den Geist freizubekommen, so daß er für den natürlichen Lauf der Dinge offen wird, und also die Intuition gesteigert wird.
Diese Prinzipien kann man z.B. auch in der Politik (Bismarck) oder an der Börse einsetzen. Will man z.B. Aktiengewinne machen, muß man die Lage des Unternehmens genau beobachten, und so lange nicht handeln, bis genau der richtige Zeitpunkt zum Kaufen gekommen ist, die Kurse also gerade auf dem Tiefpunkt sind. Reinstes Wu Wei.Aber wie man weiß, gelingt das nicht immer, und die Börse ist keine Einbahnstraße.
So verstehe ich das. Und halte "Nicht-Handeln" für keine so schlechte Übersetzung. Eine wirklich gute kann es wahrscheinlich nicht geben.
Man kann das Gesagte aber auch gern korrigieren, wenn man es besser weiß. Ich lerne gern dazu.






Aber wie man weiß, gelingt das nicht immer, und die Börse ist keine Einbahnstraße.
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