Zumeist wird das schnell deutlich, wenn man sich die eigene Lineage anschaut: Bei welchen Lehrern hat mein Lehrer geübt? Bei welchen Lehrern hat dessen Lehrer geübt? (In meinem Fall ist der Lehrer der drei Lehrer meines Lehrers dann schon Ueshiba osensei.)
Dabei sieht man ja, ob, bzw. welche Einflüsse ggf. dazu gekommen sind.
Dann gibt es "Systeme", die ganz bewußt geschaffen wurden: Tohei sensei hat das aikidô von Ueshiba Morihei ganz ausdrücklich verbunden mit dem shin shin toitsu dô von Tempu Nakamura. Tomiki sensei hat das judô, das er mitgebracht hat und vor allem auch seine pädagogischen Ideen mit dem aikidô integriert, das er bei Ueshiba gelernt hat. Shimizu Kenji sensei hat außer seinem judô auch ganz bewußt seine Meditationspraxis, d.h. zen in das aikidô eingetragen. Ebenso auch Gerd Walter, von dem ich oben schrieb: Er nennt das System, das er geschaffen hat, ja sogar Aikido-Zen.
In diesen Fällen muß man nicht lange suchen.
Und es Lehrer, bei denen der Synktretismus nicht so offenkundig ist, die aber dennoch bestimmte Aspekte von Außen in ihr aikidô eingetragen haben. Manchmal nur in ihr eigenes Üben, sofern sich das denn tatsächlich von dem trennen läßt, was sie unterrichten. Manchmal aber auch in ihr Unterrichten, ohne das es aber besonders betont würde. Watanabe Nobuyuki hat Aspekte seiner Erfahrungen als Chiropraktiker eingebracht. Hayashi Kenji sensei ist bis heute Schüler des Tempukai und das merkt man an seinem Üben deutlich - ohne daß er es so benennt,wie Tohei sensei. Der Lehrer meines ersten Lehrers (seinerseits Schüler von André Nocquet) hat sein judô mitgebracht ... und seine Lebenserfahrung (was sich auf die Anwendbarkeit ausgewirkt hat). Einige Lehrer haben yoga integriert. ... undsoweiter ...
In diesen Fällen ist es dann eben interessant zu schauen, wer was wo außerhalb der aikidô-Welt gelernt hat, und wie er es dann in sein Üben integriert hat.
Was dieser gemeinsame Nenner sei, und also auch, was als kihon waza gelten soll, ist kontinuierlich Gegenstand "sehr intensiver" Diskussionen.Der Doshu zeige in seinem öffentlichen Unterricht nur den (kleinsten?) gemeinsamen Nenner, über den man sich nicht streiten muss.





Mit Zitat antworten