Zitat Zitat von QuiRit Beitrag anzeigen
Wenn ich darf, würde ich gerne dieses Zitat herausgreifen und auch mit der anderen Aussage bezüglich der Ritter, die gegen moderne Kämpfer, mit höher entwickelter Technik keine Chance hätten verknüpfen. Mein Gedanke weicht etwas vom Thema ab, eignet sich vielleicht für einen eigenen Thread, wenn interessant?

Es geht um die - wie ich es bezeichne - ursprüngliche Natürlichkeit des Kämpfens. Um wieder die Beispiele zu nutzen, die ich kenne, hatte Ilustrisimo "kein System" als er nach Manila kam "there was only strategy and tactics" "the only technique was to cut the head off". Ein regelrechtes Training sei auch nicht möglich gewesen, weil jede Nährung schmerzhaft war, wie der Versuch eine wilde Katze zu streicheln. Das heutige System (die nun folgenden Aussagen sind meine Gedanken) entstand um mental zu strukturieren und benennen zu können, was beim Kontakt passierte. Die Techniken machen also nicht das System, sondern es entstehen (bei guten Leuten) Bewegungen spontan, die dann benannt werden können (aldabis/estrella/vertical/paayung und Boca de Lobo) ntstehen quasi aus einer dem zuhrzeigersinn entgegen gesetzten Rückhand, je nachdem, an welchem Punkt der Kontakt war. Zu sagen (vertical wäre besser gewesen als estrella) würde also bedeuten "Du hast Deinen Fluss unterbrochen und auf die Klinge gewartet"; es handelt sich also eigentlich nicht um "Techniken" im engeren Sinne, sondern um eine spezifische Fachsprache, die man benötigt wenn man etwas differenziert betrachten möchte. ... Aber ich schweife wieder etwas ab: in der Provinz (zumindest auf Mindanao) können viele sinnvoll mit Stock oder Klinge umgehen, auch wenn sie sagen dass sie kein Arnis könnten (ich will jetzt keinen falschen Mythos aufbauen: jemand richtig richtig gutes habe ich so noch nicht getroffen). Die Bewegungen sind dabei ganz natürlich 'nur primäre Techniken' und spielerisch entstanden: täglicher Multu- Purpose- Einsatz des Bolo und spielerischer Vergleich der Geschicklichkeit über die Generationen, sowie Vorbilder, die auch entsprechende Fähigkeiten haben. Außerdem gibt es halt wenig Freizeitmöglichkeiten im Dorf. Nun zu meiner eigentlichen Hypothese - ich lasse mich auch gern vom Gegenteil überzeugen - dass diese ungehemmte Näturlichkeit die effektivere/effizientere Form der Kunst des Kämpfens ist und die technische Entwicklung wie ein Hemmnis darstellt, welches allerdings notwendig sein kann, wenn man such der Kunst des Kämpfens intellektuell nähert. Es verhält sich in meiner Vorstellung so wie mit Muttersprachlern und Sprachschülern.

Ich bin gespannt ob dieser Punkt auf Interesse stösst/vielleicht würde er ja auch schon tausend Mal durchgekaut.

Damit zusammenhängend, aber für dieses Mal will ich es weglassen, weil es sonst zu komplex würde, ist das Thema der Notwendigkeit.
Du machst mehrere interessante Punkte. Ich möchte Deine These herausgreifen, um nicht zu weit abzuschweifen.

Ich würde es genau andersherum betrachten als Du. Natürlichkeit ist gut. Aber sie kommt erst effizient zur Geltung, wenn man die Technik beherrscht. Sonst wäre auch alle Trainingswissenschaft nichtig, und jeder würde so trainieren (Sportarten aller Art betreiben), wie es ihm am genehmsten ist, und wir hätten keine Evolution. Gezieltes Training ist wichtig, zum Erlernen bestimmter Grundvoraussetzungen. Wer sich einer Sache nur spielerisch nähert, stößt in einem Wettbewerb mit anderen, die systematisch eine Sache betreiben und aufbauen, schnell an seine Grenzen. Das sind dann die typischen Talente, die keinen Bock haben auf Disziplin und es am Ende nicht über die Kreis- oder Bezirksebene hinausschaffen.

Natürlichkeit, man könnte auch sagen der eigene Stil, können erst dann ihre Stärken ausspielen, wenn viel und hart trainiert worden ist. Leider impliziert hartes Training auch langweilige und unangenehme Dinge, die aber zum Erlangen bestimmter Fertigkeiten notwendig sind. Leute, die "natürlich" trainieren, übergehen das meistens, und haben nach einiger Zeit gegen systematisch Trainierende wenig Chance.