Zitat Zitat von Kaybee Beitrag anzeigen
Ich verstehe nach wie vor deine Intention nicht. Mir ist es als Nichtkarateka, Nichtjudoka völlig schnurz, wie kampfstark diese Systeme sind oder ob man sie wie verbessern kann. Btw finde ich beides gut aber mehr Gedanken mache ich mir dazu eben nicht. Hast du zuviel Zeit? Das Beispiel von Jesper bzgl Sprache (ABC lernen, Grammatik) war doch ziemlich treffend. Und du redest immer vom heutigem Stilvergleich: Erstens kämpft kein System als solches sondern Vertreter derer. Zweitens will sich der eine oder andere vielleicht gar nicht mit Boxern, MMAlern oder wem auch immer vergleichen. Dem reicht es vielleicht wenn er durch sein Training, sein Zeugs etwas besser gegen einen Durchschnittstypen ohne besondere Fähigkeiten klarkommt. Andere machen es wirklich aus Tradition, aus Liebe zum System, wegen der Leute, dem Preis Leistungsverhältnis was auch immer. Denen ist es völlig egal ob sie mithalten können mit Kämpfern der heutigen Generation. Das nennt sich übrigens auch Vielfalt.
Die Herangehensweise kann unterschiedlich sein. Ich schrieb ja schon, dass es nichts zu besprechen gibt, wenn jemand eine Sache trainiert, weil er sie einfach mag. Was sollte man dazu auch sagen? Ist doch prima, wenn es glücklich macht.

Es kämpfen nicht nur Menschen gegeneinander. Das ist ein Mythos, der von denen gepflegt wird, deren Stil im Durchschnitt schlechter abschneidet als andere. Wer topediert schon seine eigenen Träume? Das kommt selten vor. Der Stil ist absolut relevant für Erfolg und Misserfolg.

Aber selbstverständlich gibt es immer Kämpfer, die auch mit einem unterlegenen Stil trotzdem sehr gut kämpfen können. Man fragt sich nur, wieviel besser sie sein könnten, würden sie einen effektiveren Stil trainieren. Denn ein komplizierter Stil behindert auch den Talentiertesten. Dann muss man sich entscheiden, ob man den Ballast abwirft oder weiter mit angezogener Bremse agiert.

Aber die Wahl des Stils ist oft auch eine nicht-rationale Entscheidung. Sie ist oft mit irgendeiner emotionalen Bindung an Kulturen, Länder, Erinnerungen und vielleicht Idolen oder Filmen verbunden, einfach gesagt mit Nostalgie. Deswegen kann man auch nur von außen sagen: Schade, leider falsche Abbiegung genommen. Es wäre so viel mehr drin gewesen. Aber kritisieren kann man es nicht.

Ich interessieren mich nur für die Wirksamkeit. Und da ist ein Stilvergleich natürlich relevant. Denn es gibt Stile, die eine höhere Praktikabilität haben und solche, die im Zweikampf aus unterschiedlichen Gründen weniger erfolgreich sind. Deswegen verlieren sie ja nicht an Relevanz für den Einzelnen. Wenn es um reine Chance im Kampf geht, aber eben schon.

Sonst würden wir in Vergleichskämpfen auch in etwa gleich viele Kämpfer vieler Systeme ähnlich erfolgreich sehen. Das ist aber nicht so. Es haben sich die Stile durchgesetzt, die unter Stress und Druck noch immer funktionsfähig sind. Und sie müssen in einem angemessenen Zeitrahmen funktionsfähig gemacht werden können. Wer will schon 20 Jahre warten, bis er vielleicht endlich mal richtig kämpfen kann, weil erst dann das letzte Geheimnis offenbar worden ist?

Vielfalt ist nicht immer gut. Sie kann auch zu falschen Entscheidungen verleiten. Wer sich aber in seinem System wohlfühlt und darin aufgeht, der hat wirklich eine schöne Beschäftigung gefunden. Glückwunsch!