Nachtrag von Period:

Der Thread zu Messerverbotszonen ist ja inzwischen geschlossen, aber um noch ein aktuelles Beispiel dafür zu liefern, warum man meiner Meinung nach ein Taschenmesser oder Multitool auch im Zug dabeihaben dürfen sollte:
Heute bin ich (für mich untypisch) mit dem Zug zur Arbeit an die Uni gefahren – erstens hat es geregnet, zweitens hatte ich Mittags ein Worklunch in einem feineren Restaurant (sprich, wetterfeste Klamotten hätten mir da wieder einmal gehobene Augenbrauen eingebracht), und drittens habe ich mir peinlicherweise vor anderthalb Wochen durch exzessives Rennradfahren in Regenklamotten Blasen am Allerwertesten geholt und wollte den Heilungsprozess nicht einmal mehr behindern (ich reisse die auch so schon in fast jedem Training wieder auf).
Wie dem auch sei: auf der Rückfahrt stand ich im überfüllten Zug vor dem WC. Dort hat sich dann kurz nach meinem Einsteigen ein kleines Mädchen (ca. 5-6 Jahre) versehentlich eingesperrt. Die Mutter hat versucht, ihr durch die Tür zu erklären, wie sie die Tür öffnen kann, aber die Kleine ist drinnen Stück für Stück mehr in Panik verfallen. Ich habe dann die Mutter darauf hingewiesen, dass es da diesen Vierkant-Stift in der Tür gibt, für den der Zugbegleiter einen passenden Schlüssel hat, und angeboten, diesen für sie suchen zu gehen. Habe ich dann auch gemacht, dummerweise war in dem Zugteil keiner. Am Rückweg hat mich dann noch ein anderer Passagier mit Migrationshintergrund angesprochen und seine Hilfe angeboten, ansonsten hat das offenbar niemanden interessiert.
Also Plan B: ich hatte aufgrund der oben geschilderten Konstellation entgegen meiner Gewohnheit heute kein Multitool einstecken, nur ein Victorinox Harvester (aka Swiss Army 7, ein 93 mm Slipjoint ähnlich dem populäreren Victorinox Farmer), habe aber der Mutter gesagt, ich würde damit versuchen, die Tür zu öffnen. Tatsächlich war es mir mit etwas Kraftaufwand möglich, mit dem auf 90° ausgeklappten Schraubenzieher den Vierkantstift beschädigungsfrei aufzuhebeln und die Kleine rauszulassen (die dann erstmal fünf Minuten ihre Mutter umarmt hat). Letztere hat dann zu mir gemeint, sie würde das nächste Mal auch ein «Sackmesser» (so heisst das hier) mitnehmen Ich habe dann entgegnet, das sei meiner Erfahrung nach sehr hilfreich
Die Erfahrungsgeschichte möge hier nur als Illustration dafür dienen, für wie viele alltägliche und häufig unerwartete Probleme – ob von einem selbst oder von Dritten – ein Taschenmesser oder Multitool die Lösung sein kann, auch wenn das (wie wir hier gesehen haben) viele anders sehen. Und gleichzeitig ist es ein weiteres Beispiel dafür, warum ich es kritisch sehe, das Führen von Taschenwerkzeug allzu sehr zu beschränken.
Ich sollte noch anfügen, dass das verwendete Tool das Minimum war, mit dem der Öffnungsvorgang meines Erachtens nach funktioniert hätte: so etwas wie der Schraubendreher an einem Victorinox Classic (<40 mm Klinge) oder Bantam (ca. 70 mm Klinge) wäre nicht stabil genug gewesen. Eines von den kleinen Pocket Pry Tools hätte vielleicht funktioniert - die wären zwar stabil genug, hätten aber vielleicht zu wenig Hebelwirkung gehabt.

Beste Grüsse
Period.