Moin!

Mich treibt es auch immer wieder kognitiv in die Thematik "Gürtelwahn". Ich sehe da verschiedene Seiten: In Sachen Motivation eine tolle Sache und auch gut für den Selbstwert. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man einen "höheren Grad" inne hat. Aber auf der anderen Seite: Was werden da für Kompetenzen entwickelt und/oder gelegt? In den Vereinen und Verbänden, letztlich gymnastische Übungen unter dem großen Deckmantel des Karate. Wenn so ein Zwerg (12 Jahre) mit einem blauen Gürtel rumrennt und ein Erwachsener (45 Jahre) mit einem gelben Gürtel. Da krankt der Geist des Bushido. Eine Sache dazu:

Die Varianz der Gürtelfarben - bei mir war das damals gekoppelt an die Kata:

weiß Heian
gelb Heian Shodan
orange Heian Nidan
grün Heian Sandan
blau Hein Yondan
blau(!) Heian Godan
braun Tekki-Shodan
braun(!!) Bassai-Dai
braun(!!!) nach Wahl
schwarz nach Wahl

Ich habe diese Verdopplungen und Verdreifachungen nie verstanden. Auch der Sinn der Heians in diesem Kontext: Ich nenne diese Kata gerne "Fragmente", kein einheitliches Konzept. Ich laufe keine Heians. Seit Jahrzehnten nicht mehr. Warum auch? Das waren reine Gürtelzieher ohne tieferen Sinn für mich. Ein weites Feld. Dann doch lieber (jetzt exemplarisch) nur die Tekki/Naihanchi und darum baut sich das ganze Curriculum dieser Gruppe auf. Und hier zum Schlussakt:

Warum nicht einmal "Karate-Training" eben nicht im Gi und ohne Gürtel? Kapuzenpullis, T-Shirts und Trainingshosen? Die Routine bleibt: Gymnastik, Partnerübungen, Kata - Balance für Seele und Körper. Einmal komplett die Tradition brechen, raus aus diesem Zwang...aber wie es zu Beginn der Thematik aufgezeigt wurde: Die deutsche Vereinsmentalität mag das nicht. Die steht auf Hierarchien und wenn es auch nur leere Gürtelfarben sind. Hauptsache ich habe schon den grünen Gürtel!