öh nein. Schreibe ich nicht, denke ich nicht, noch nicht mal etwas, das auch nur annähernd in diese Richtung geht. Und wer liest, was ich schreibe (und sich nicht zu sehr vom eigenen Kopfkino ablenken lässt), müsste das eigentlich merken.
ja, gern, denken wir mal darüber nach. Sorgfältig und rational.Denk Mal drüber nach daß dies ein öffentliches Forum ist, in dem auch die Opfer lesen. - Und was das in denen auslöst.
Aber ich erinnere mich, dass Du Mal geschrieben hast (ich glaube im Religionsfaden) die Opfer, in dem Fall Frauen und Kinder, sollten doch die Chance nutzen und "gestärkt" aus der Tat hervor gehen.
Es passiert etwas Schlimmes - eine Vergewaltigung. Oder auch "nur", zusammengeschlagen oder ausgeraubt zu werden, ohne sexuellen Hintergrund, aber mit Gewalt.
Ändert ein solches Erlebnis das Leben? - Ja. man kann's nicht vergessen. Es wird nie ungeschehen sein, egal was man tut. Es hinterlässt Spuren, Erinnerungen, Narben.
kann man das Leben zurück drehen auf den Status von vorgestern und der Katastrophe ausweichen? - nein, kann man nicht.
Ist es angebracht, jemandem Hilfe zu verweigern, weil die Person es hätte eventuell voraussehen können, eventuell mit dem Übeltäter kooperierte oder es eventuell gar selbst provozierte, was immer geschehen ist? - selbstverständlich nicht. Wer ein Problem hat, irgend eins, soll alle notwendige Hilfe und Unterstützung erhalten, medizinisch, sozial, psychologisch, legal etc. ohne Vorwürfe. .
Wenn sich das Leben ändert, kann man dann sagen, dass es sich, unter anderem, so ändert, dass man entweder schwächer daraus rauskommt, oder stärker daraus rauskommt, je nachdem? - ja, kann man sagen. Das Eine oder Andere wird geschehen. Was nach so schwerwiegendne Traumata eher nicht geschieht: dass man zur Tagesordnung übergeht und einfach weiter macht wie immer.
gibt es so etwas wie geborene Opfer, die sich mit ihrem Opfer-Dasein schlicht abfinden müssen und die keine Chance haben, etwas dagegen zu tun? - nein, gibt es nicht. Menschen sind stark und fähig, manche mehr, manche weniger - aber sich selbst als "ich bin ein ewiges Opfer" zu definieren, halte ich für das Falscheste, was man tun kann. Man schwächt sich dadurch selbst. Die Einstellung "ich bin vielleicht klein/schwach/langsam/krank/sonst eingeschränkt, aber ich tue trotzdem mein Bestes, um meine Lebensqualität zu erhalten" halte ich für deutlich sinnvoller. Sie führt zu einem besseren, grösseren, stolzeren Leben. auch zu einem sichereren Leben. Im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten und Umstände.
Heilt die Zeit Wunden? - ja, das tut sie. Wenn man sie lässt.
kann man vergeben und vergessen? - Vergessen kann und soll man nicht; aber es kann passieren, dass man feststellt, nach einem Jahr oder zehn Jahren oder dreissig Jahren, ich habe Frieden mit meiner Katastrophe geschlossen. das ist gut. Und wenn nicht: das ist auch in Ordnung. da muss jeder Mensch seinen Weg selbst finden, wie man mit einem solchen Trauma umgeht. Es gibt da kein "wenn du nach X Monaten noch nicht das Stadium Y erreicht hast, dann ist das falsch". Nein, es ist einfach wie es ist. Ene schlimme Tatsache, mit der man irgendwie klar kommen muss. und das macht jeder Mensch auf andere Weise. manche durch Reden, manche durch Schweigen, durch Handeln,... durch Sport... wie auch immer.
Übrigens: auch wenn ein Mann/Knabe Opfer wird, ist es nicht weniger schlimm. Auch Männer können leiden, Demütigung und Schmerz empfinden, ängstlich werden etc. genauso wie Frauen und Mädchen. Ich vermute sogar, dass gerade sexuell konnotierte Gewalt für Männer/Knaben noch deutlich schlimmer ist als für Frauen - weil da noch ein viel grösseres Tabu darauf liegt. Frauen dürfen eher schwach und zart sein, Männer dürfen immer noch nicht. Da kommt zum Erlebnis, das für sich schon schlimm genug ist, noch eine Menge Scham.
Gestärkt zu werden bedeutet in meinen Augen, dass man sich TROTZ dem Trauma nicht am Leben hindern lässt. Dass man sich zB nicht zuhause einschliesst und immer mehr öffentliche Räume meidet, aus Angst, sondern dass man sein Leben weiter lebt.Gestärkt bedeutet in so einem Fall eigentlich selber Täter(-in) zu werden. Boah ist mir schlecht.
Es heisst keineswegs, dass das Opfer eines Überfalls losziehen musst und jemand andern überfallen muss, um sich zu stärken, Ganz bestimmt nicht. Mir ist auch komplett rätselhaft, wie du auf diese eigenartige Interpretation kommst.
Schulddiskussionen sind mir sowas von egal. Schuld festzupinnen bringt sowas von gar nichts Konstruktives (ausser man sei Richter und beurteile Gerichtsfälle, was ich nicht tue).Ich hoffe ernsthaft, daß Du nicht auf Seiten derer landest, deren Leiden du hier marginalisierst und denen Du versuchst eine Mitschuld einzureden. Obwohl manchmal direkt nach solchen Aussagen...
Ich war ja lang genug in einer Beziehung mit einem schwer depressiven Mann, der in seiner Depression zu Aggressionen neigte. Verwahrloster Haushalt, viel (sprich täglich, oft stundenlang) Rumbrüllen, Psychospielchen, seltener Handgreiflichkeiten. Ich weiss ja selbst, wie lang ich brauchte, mich aus dieser Situation zu lösen... Jahre ... in die ich auch allein und freiwillig reingegangen war. Ich war jung, naiv, verliebt, und nein, zu der Zeit hätte ich es nicht besser machen können. Leute HABEN mir gesagt, was abgeht - Leute HABEN mich rausgeholt und mir gesagt (völlig zu Recht) "nein, ich glaub nicht, dass dieses blaue Auge ein Unfall ist, der hat dich geschlagen" - ich ging wieder zurück. Selbst, freiwillig, eigenständig. Das braucht einfach seine Zeit.
ich bin bestimmt die Allerletzte, die andern vorwerfen würde, dass sie jung und naiv und verliebt sind, und dass sie auch ihre Zeit brauchen, um von einer Beziehung mit einem Schläger oder generell fiesen Menschen rauszukommen.
Andererseits habe ich mir dann, danach, durchaus auch die Frage gestellt "wie verhindere ich, je wieder in sowas reinzurutschen?" - und Antworten darauf gesucht. ich bin dann auch nicht ein zweites Mal in eine solche Situation reingerutscht. (dafür in andere blöde Situationen, die ich nicht auf dem Schirm hatte... man lebt, man lernt)
mit "Schuld" hat das alles nicht das Geringste zu tun. Es wird sich ja wohl niemand, der oder die nur halbwegs bei Sinnen ist, sich absichtlich und mutwillig auf einen Überfall oder eine Vergewaltigung einlassen, das macht doch kein Mensch. Und angenommen, es wäre tatsächlich Dummheit - einem Dummen seine Dummheit vorzuwerfen, ist ungefähr ähnlich sinnvoll, wie einem Blinden seine mangelnde Sehkraft vorzuwerfen. Nützt doch nichts, bringt doch nichts.






Mit Zitat antworten