Mittlerweile ist das die Theorie. Morgen gibt es eine andere, und nächste Woche wieder. Aber auch in 100 Jahren wird das Tatsächliche immer noch das gleiche sein, nur dass es auch dann immer noch niemand genau weiss.
Was "Qi" angeht, gibt es nur zwei, "philosophisch" drei Möglichkeiten:
- es gibt zu jedem Qi eine physische Entsprechung, also eine nachweisbare Form physikalischer Existenz (chemische Komponenten im Sinne von Energieträgern, Katalysatoren, usw., vom Körper erzeugte Ströme etc.), die Wirkung dieser Dinge wäre stoffwechseltechnisch erforschbar, darstellbar und vermutlich zu einem nicht kleinen Anteil schon bekannt
- es gibt eine Art von Geistkörper der sich einer unbekannten Energieform bedient die im weitesten Sinne einer Art "Mechanik" folgt, aber kaum oder gar nicht über herkömmliche Messverfahren erfassbar ist
- das jeweilige Qi ist ein "Konzept" zu dem es nur eine mehr oder weniger zufällige Koinzidenz zu tatsächlichen Abläufen im Körper gibt
Bekanntermassen spielt die mikrokosmische Betrachtung der Welt als teils teilchenförmige teils wellenförmige Wahrscheinlichkeitswolke in einem Quantenmechanik-Theoriemodell bei der makroskopischen Technikbetrachtung keine Rolle. Niemand berücksichtigt das Verhalten von Higgs-Bosonen bei der Konstruktion eines benzingetriebenen Otto-Rennmotors, nicht mal in der Formel-1 von 2018. Von daher macht es auch nicht so viel Sinn, bei der Betrachtung körperlicher Vorgänge die sich durch sensorisches Feedback signalisieren in eine merkwürdige Nomenklaturdiskussion abzudriften, bei der jede Nuance einer letzten Endes selbststeuernden Regelung mit eigenen Vokabeln belegt wird. Welche dann in der konkreten Ausführung gar keine Rolle spielen.
Ich habe je nach Kontext gemerkt dass einer Kraftspitze aufgrund äusserer Einflüsse sensorisch deutlich wahrnehmbare Vorgänge im Oberbauchbereich vorausgingen. Die Entscheidung hat mein Körper aber von alleine gefällt aufgrund unbekannter Dispositionen (Zeit, Verfügbarkeit usw.), und meiner Meinung nach ist das schlicht eine Neurose wenn man unbedingt jede Nuance davon "bewusst" steuern will, damit auch ja jede Entscheidung im Körper von der Grossartigkeit der eigenen bewussten Analysefähigkeiten begleitet wird. Auch wenn das gar keinen Sinn macht, und der Befriedigung von Angst und Kontrollvorstellung dient.
Niemand muss jeden Tag 10 Minuten an der Qi-Kurbel drehen, um genug Energie für die folgenden Aufgaben zu haben. Das macht der Körper nämlich selbst, dieses Qi organisieren. Er meldet sich dann in Form von Hunger und Durst, oder Müdigkeit. Diese Vorgänge müssen eher grundsätzlich als langlaufender Regelmechanismus entwickelt und gefördert werden, damit man schläft wenn der Körper das braucht, isst wenn das nötig ist, oder trinkt. Man muss lernen, instinktiv Dinge aufzuhören die diese Mechanismen stören, bzw. sich selbst überfordern, oder schädigen. Feste Abläufe von Meditation oder Übungen können helfen dass man zumindest genug Zeit einplant um zur Ruhe zu kommen, oder dem Körper Gelegenheit geben sich damit zu beschäftigen.
Auch die körperlichen Übungen sind nötig, damit die real existierenden Regelprozesse des Körpers einem die gar nicht genutzen Muskelpartien einfach wieder abbaut weil der Körper so gebaut ist dass er das tut. Die notwendigen Vorgänge sind aber samt und sonders Selbstläufer, die man nur stören kann, die aber wenn sie laufen keine ständigen Eingriffe brauchen. Die vielzititierte Harmonie von Körper und Geist wird z.B. häufig gestört durch stärkere Varianten von Stress, da ist es dann hilfreich wenn man Übungen macht um den Stress abzubauen, und eine friedlich-freundliche Selbstakzeptanz wiederzufinden. Spass am Körper und seinen vielfältigen Möglichkeiten. Eine von der Uhr getriebene präzise Abarbeitung von 190 Einzel-Qis ist dafür nicht nötig.
Unser Problem ist nicht dass es diese Selbstregulierung nicht gibt, sondern dass wir sie in Panik und unter Stresssymptomen ständig selbst stören. Eventuell bis sie nicht mehr laufen. Die Frau will mich nicht, der Chef ist doof, meine Kollegen sind k*cke, alles Mist. Und als Reaktion macht man dann Dinge die nicht hilfreich für die Lebensfreude sind. Diese Lebensfreude in möglichst vielen Qis abzubilden macht nicht wirklich so grossen Sinn, und die detailreiche Einzelsteuerung - die es definitiv gibt, bekanntermassen und auch der Medizin bekannt - ist absolut nicht notwendig weil es dafür eben Regelmechanismen gibt.
Diese melden sich dann halt auch mal mit Forderungen an einen, sich Zeit für X, Y oder Z zu nehmen, und genau dies muss man dann auch nur tun. Essen, Trinken, Schlafen, und desweiteren sich um emotionale Dinge kümmern und ihnen Raum geben. Trauer, Wut, und dergleichen. Möglicherweise versuchen deshalb so viele Leute stattdessen die Erklärung in 49 Qi-Variationen zu finden, weil sie sich dem nicht stellen wollen - Angst, Schmerz, Trauer, Zorn. Genau das ist aber unabdingbar. Man muss es tun, und das so nehmen wie das bei Lebewesen nun mal ist.
Geändert von Klaus (06-04-2018 um 15:20 Uhr)
"Man kann Leuten nicht verbieten, ein ***** zu sein." (Descartes)