Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
Immer wieder interessant, das Thema Aikido und Gewalt.
Der Begründer des Aikido hat eigentlich nie Gewaltverzicht propagiert, in der Form dass man auf Effektivität der Techniken verzichten müsste, und er war sicher nicht das, was man heut einen Pazifisten nennen ürde.
Man kann das was er unter Budo verstanden hat, eigentlich auch nur nachvollziehen, wenn man Aikido als Kampfkunst versteht, die das Potential zum Verletzen von Gegnern beinhaltet.
Ob man es zu einer effektiven Kampfkunst machen kann oder nicht, liegt daran ob man zum Kern der Sache vordringt der unter mehreren Schichten von Verständnisproblemen verborgen ist, zum Beispiel ob man Hebeltechniken als Misogi zum entstauben der Handgelenke übt, oder ob man versteht dass man dabei u.a. Eintrittswinkel für Atemi oder Waffenanwendungen übt, dass Übungstechniken für Richtungen oder "Vektoren" (wie Ellis Amdur z.B. sagt) stehen, und ob man ein mindset entwickelt mit dem man die Aussage "Aikido ist Irirmi und Atemi", oder "Aikido ist das Studium von Intent" umsetzen kann, ob man den Sinn eines Systems von aufeinander aufbauenden Übungsmethoden wie go no geiko, ju no geiko und ryu no geiko versteht, und vieles mehr.
Mittlerweile haben sich auch bestimmte Dinge etabliert, die es eben noch schwieriger machen.
SV ist eine Sache, MMA doch wieder eine ganz andere Welt.
Ja nun, so ziemlich jedes heute noch praktizierte "traditionelle" System hatte mal einen "Überleben-im-Kampf-Aspekt" auch das von mir stellvertretend kritisierte TJ. Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im TJ ebenso wie im Aikido (oder oder oder bitte System hier einsetzen) Leute die damit um Ihr Leben gekämpft und auch überlebt haben.

Allerdings wird in der Masse das unterrichtet, was die Masse erwartet.

Du schriebst: "...dass man dabei u.a. Eintrittswinkel für Atemi oder Waffenanwendungen übt,...".

Das ist ebenfalls ähnlich wie das was ich im TJ beobachte. Da ist guter Stoff drin. Aber kaum einen interessiert es. Das auch scheinbar seit Jahrzehnten.
Da es kaum einen interessiert, wird es auch nicht vermittelt und aus Kampfkunst wird Kunst, die einst einen Kampfbezug hatte. - Das kann man jetzt schade finden oder auch nicht. - Mir ist es mittlerweile egal.

Nahezu keine KK hat etwas, das andere in ähnlicher oder gleicher Form nicht auch hätten. So what, da kann man sich doch holen was einem fehlt.
Wenn man mehr dazu holen muss, als man schon hat, dann kann man eventuell auch direkt das (Schwerpunkt-) System wechseln.

Man kann natürlich auch um den Erhalt des kämpferischen Aspekts kämpfen. Wie es aus meiner Sicht, z.B. Rambat tut. Ist aber u.U. enorm anstrengend und kräftezehrend.

"SV ist eine Sache, MMA doch wieder eine ganz andere Welt". Sehe ich ähnlich. Für mich inkludiert MMA die SV. Quasi ganz von selbst und nebenbei. Allerdings kenne ich kein SV-System (kann es natürlich trotzdem geben), dass seine Probanden ausreichend auf einen MMA-Kampf vorbereitet.

Liebe Grüße
DatOlli