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Thema: Aikido - George Ledyard Seminarmitschnitt

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  1. #20
    carstenm Gast

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    Zitat Zitat von Aiki5O+ Beitrag anzeigen
    Um nicht überheblich zu wirken, ...
    Ich fand es gar nicht überheblich. Und so war auch meine Antwort nicht gemeint. Ich habe diese Aussage tatsächlich unter Bezug auf deine/eure Übungsweise verstanden:
    ... dass sich im Rahmen des keiko meine Partner meistens bewegen lassen.
    In dem Üben, das ich kenne, ist die Rolle des uke einfach eine andere.

    Das gilt mMn auch für den Flow, also das totale Aufgehen in seinem Tun. Ohne das ich persönlich nicht motiviert wäre, Aikido über längere Zeit auszuüben.
    Nach meinem Verständnis braucht das Üben von aikidô ein hohes Maß an Selbstreflexivität. Und zwar während des Tuns. Ich beobachte mich selbst, die Situation, das Geschehen ... und passe mein Handeln entsprechend an. Es geht - in aller Regel - eher darum, wahrzunehmen und zu fühlen. Weniger darum, zu tun.
    Dort, wo ich erlebt habe, daß es Lehrern in ihrem Üben um ein Flow-Erlebnis geht, habe ich den Aspekt der konstanten Selbstreflexivität während der Ausführung der jeweiligen Technik vermißt. Es ging eher darum, einen unterbrechungsfreien, gewissermaßen "automatisierten" Ablauf der Technik zu erzeugen, "ohne viel Nachdenken".
    Auch war die Geschwindigkeit der Ausführung bei dieser Übungsweise zu hoch, um in sich hineinzufühlen, ggf. etwas in der inneren Haltung zu ändern ...

    Wenn ich beim Laufen in den Flow-Bereich komme, dann denke ich nicht mehr über meinen Laufstil nach, nicht über die Atmung, nicht über wasweisich ... sondern ... es ... läuft ... einfach ... aus ... sich ... selbst ... Das ist ein Bereich, in dem dann kreative Ideen aufpoppen. Oder in Bezug auf irgendein Thema eine Entscheidung klar und deutlich wird. Oder ich auch die Landschaft genieße.

    In meinem Üben versuche ich diesen Effekt dagegen bewußt zu vermeiden.
    Welchen Stellenwert hat solche Selbstreflexivität in deinem Üben und wie verhält sie sich zu deinem Verständnis von Flow?

    Gut, aber was ist im Falle von Aikido "das zu studierende Alte"? Das, was ein Shihan in seiner Linie begründet hat? Das Aikido Ueshiba Moriheis aus welcher seiner Perioden? Daito Ryu Aiki jujutsu? Oder ...?
    In allen Bereichen meines Übens (aikidô, TSKSR, nei gong, Meditation) wird "das zu studierende Alte" in Übertragungs- bzw. Traditionlinien im Rahmen von persönlichen Schüler-Lehrerbeziehungen weitergegeben. So, wie es auch Inryoku schreibt: Es geht um "das, was dein Lehrer von seinem Lehrer gelernt hat." ... und der wiederum von dessen Lehrer ...
    Dabei sind diese Übertragungswege nicht nur eindimensional, sondern die lineare Übertragung der Lehrer-Schüler-Linie ist ist eingebettet in ein Netzwerk aus Übertragungslinien.

    (In meinem Fall bedeutet das z.B.:
    - Ich tausche mich mit anderen Schülern meines Lehrers aus, um seinen Unterricht besser zu verstehen.
    - Ich übe nicht nur bei dem Lehrer meines Lehrers (ein Schüler Ueshibas in den 60ern), sondern auch bei anderen Schülern des Lehrers meines Lehrers, um dessen Unterricht besser zu verstehen. Und tausche mit wiederum mit deren Schülern aus.
    - Ich übe bei anderen Schülern des shihan, an dem sich der Lehrer meines Lehrers orientiert hat. Dieser shihan (ebenfalls ein Schüler Ueshibas in den 50ern und 60ern), war bis zu seinem Tod auch der direkte Lehrer meines Lehrers.
    - Auch durch den katori-Lehrer meines Lehrers, der in den 30ern ein Schüler von Ueshiba war, gibt es eine unmittelbare Verbindung, über die "das zu studierende Alte" weiter getragen wurde.
    - Und schließlich noch durch einen weiteren Lehrer (ein Schüler Ueshibas in den 60ern), bei dem mein Lehrer in Japan geübt hat.
    ... und ... so ... weiter ... )


    Langer Rede, kurzer Sinn:
    "Das zu studierende Alte" ist kein Abstraktum, keine objektive Wahrheit, sondern es ist ein lebendiges, dynamisches Wissen einer Schule (流 ryû, enthält da kanji 川 kawa: dt. Fluß), es ist die Erfahrung, die jemand, der vorher gelebt hat (先生 sensei) durch sein eigenes Studium des Alten (稽古 keiko) erlangt hat und daraufhin als das "zu studierende Alte" weitergibt.

    Ich persönlich finde es unglaublich reizvoll, mich in einen derartigen Strom zu stellen, und dieses alte Wissen, zu studieren.

    In dem Thread "Ukemi für Ältere" hast du geschrieben, worauf ich ja auch immer wieder Wert lege:[...]
    Damit hat das Üben von Aikido einen wichtigen Zweck oder Wirkung auf den Alltag und ist somit nicht nur Selbstzweck.
    Alles, was ich tue, wird zur Ursache einer Wirkung. Auch wenn ich etwas um seiner Selbst willen tue, hat das eine Wirkung.
    Nach meinem Verständnis ist es ein fundamentaler Unterschied, ob ich aikidô übe, um etwas für meine Gesundheit zu tun. Oder ob ich aikidô um seiner selbst willen üben, und im Rahmen dieses Übens erlebe, daß es meiner Gesundheit gut tut.
    Ganz praktisch erlebe ich, daß ein bestimmter Zweck vom Üben des Eigentlichen wegführen kann, so daß sich die Wirkung des eigentlichen Übens überhaupt nicht entfalten kann.
    Geändert von carstenm (03-09-2019 um 14:12 Uhr)

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