Wenn man das Wort "Zen" übersetzt, lautet Deine Frage: "Kann man eine gelegentliche Praxis von halbstündigem, meditativem Sitzen, schon Meditation nennen?"
Wenn man "Zen" als Bezeichnung von "Zen-Buddhismus" nimmt, bezeichnet das eine bestimmten Tradition innerhalb des Buddhismus, der sich auf Meditation konzentriert und bei dem die sitzende Meditation "Zazen" ein wesentlicher Teil ist, es aber z.B. auch Gehmeditation gibt und idealerweise einen Lehrer, der einen hilft, die Erfahrungen einzuordnen.
(hat auf dem Weg von Indien über China nach Japan/Korea natürlich auch andere Einflüsse aufgenommen und sich auch wieder in unterschiedliche Substile aufgespalten)
Man wird natürlich nicht Buddhist oder Zen-Buddhist, wenn man irgendeine Sitzmeditation macht.
Allerdings zielt die Lehre Buddhas IMO auch nicht dahin "Buddhist" zu werden.
Der von Dir zitierte Kabat-Zinn hat aus Bestandteilen "östlicher" Systeme, auch Zen, MBSR geschaffen, also quasi ein Achtsamkeits-Hybrid, das auch nicht nur aus Sitzmeditation besteht.
Ich hab mal so einen Kurs mitgemacht, und eine Übung war, dass sich mehrere Leute auf engem Raum durcheinander bewegen (ob die Augen geschlossen waren, weiß ich nicht mehr genau)
Dabei war die Anweisung, verschiedene Geisteshaltungen einzunehmen: eine "selbstbewusste": "aus dem Weg, hier komm ich", eine vorsichtige: "bloß nirgends anstoßen" und eine offene, "achtsame": "mal sehen, was passiert".
War interessant, wie verschiedene Geisteshaltungen die Art und Weise in eine Situation zu gehen und insbesondere, das unausweichliche Anstoßen an andere zu bewerten und damit umzugehen, veränderten.
So was könnte man sicher auch mal im Rahmen einer Aikidostunde oder dem entsprechenden Randori machen, falls es nicht ohnehin schon gemacht wird.
Ich hab mich früher intensiv in japanischem Jackenraufen betätigt und die Bücher von Tohei Koichi gelesen.
Da hab ich dann auch mal versucht, im Randori "den einen Punkt zu halten" bzw. was ich dafür hielt....mit überschaubarem Erfolg
(ich hab auch versucht auf diese Weise in der Straßenbahn beim Bremsen nicht umzufallen)
Naja, auf jeden Fall kann man sicherlich auch in körperlichen Partnerübungen Geisteshaltungen, die man sich im eher unbewegten Zustand erarbeitet hat, ausprobieren oder eben unter erschwerten Bedingungen üben.
Nicht für das Sitzen, sondern für das Leben sitzen wir... oder so ähnlich.
ganzer Film:
Literatur:
Eine Buddhismus-Übersicht von einem koreanischen Zenpatriarchen, der auch schon in den USA Waschmaschinen reparierte:
Der Kompass des Buddhismus
Berichte von Janwillem van de Wetering:
Ein Blick ins Nichts: Erfahrungen in einer amerikanischen Zen-Gemeinde
Der leere Spiegel: Erfahrungen in einem japanischen Zen-Kloster
reine leere: Erfahrungen eines respektlosen Zen-Schülers






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