Mir war immer schon der enge Bezug von reformatorischer Theologie und Aufklärung bedeutsam.
Etwa im Sinne von Heine, wenn er schreibt: »Im vorigen [ersten] Buche haben wir von der großen religiösen Revolution gehandelt, die von Martin Luther in Deutschland repräsentiert ward. Jetzt haben wir von der philosophischen Revolution zu sprechen, die aus jener hervorging, ja, die eben nichts anderes ist wie die letzte Konsequenz desProtestantismus.« (Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland)
Die Betonung von Freiheit und Eigenverantwortung, sowie der kritisch hinterfragende Blick nicht allein nur auf Glaubenstradition und Kirche sondern gerade auch auf die theologischen Methoden - verbunden mit einer m.E. dem Wesen nach mystisch geprägten Spiritualität, hat mich seit jeher fasziniert.
Insofern bin ich sehr dankbar für den im Zusammenhang dieser Diskussion neu gelernte Funfact, daß Melanchthon, der ja die aufklärerischen Aspekte im Umfeld Luthers stark gemacht hat, und darüber anders als etwa Erasmus nicht in einen fundamentalen Gegensatz mit ihm geraten ist, in seiner Antrittsvorlesung über die Neugestaltung des universitären Studiums das "sapere aude" des Horaz in ganz ähnlicher Weise ins Zentrum gestellt hat, wie dann später auch Kant. (Ein interessanter Aufsatz dazu: Edgar Thaidigsmann: »Sapere aude!« Aufklärung und Theologie bei Melanchthon und Kant, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Vol. 111, No. 4 (Dezember 2014), Seiten 389-415)
Danke allen Beteiligten dafür!





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