
Zitat von
carstenm
Ich möchte allein der Vollständigkeit halber anmerken - ohne daß wohl den Verlauf eurer Diskussion beeinflußt - daß es "die" Reformation ja nicht gab. Sondern daß "Reformation" ein Sammelbegriff ist für unterschiedliche, wenn auch miteinander verbundene historische Phänomen oder Entwicklungen.
Es gab in der Tat eine Strömung, die "das ursprüngliche Christentum wiederherstellen" wollte. Dieser Strömung würde ich auf der einen Seite Thomas Müntzer zuordnen, der den reformatorischen Gedanken in eine politische und soziale Reform- oder Revolutionsbewegung eintrug. Und auf der anderen Seite die sogenannten "Schwärmer" oder "Wiedertäufer", die die Gesellsacht in eine Art spirituelles Gemeinwesen umzubilden versuchten.
Diese Linien der Reformation wurden aber bekämpft nicht nur von dem von dir so bezeichneten dogmatischen Christentum und den politisch Herrschenden. Sondern auch von den anderen Zweigen der Reformation. Und zwar auf's äußerste: In den Lutherischen Bekenntnisschriften, auf die auch ich ordiniert wurde, stehen bis heute die Verdammungsformeln für diese "Irrlehren".
Die Rückkehr zu einem ursprünglichen Christentum beschreibt also m.E. nicht die Intention derjenigen Strömungen der Reformation, die sich historisch durchgesetzt haben und die heute wohl zumeist gemeint werden, wenn von "der" Reformation gesprochen wird.