Hallo,
bezüglich der Ausgangsfrage böte sich die Teilnahme an einem Lehrgang mit T. Naka (geb. 1964) an, da er scheinbar auch hierzulande hin und wieder solche leitet. Wie schon geschrieben, gehört T. Naka der JKA an und deren Deutschlandvertreter richteten in der Vergangenheit Lehrgänge mit ihm aus. Während meiner Studienzeit habe ich in Tōkyō mit einem braunen Gürtel an einer seiner Trainingseinheiten im JKA-Hauptquartier teilgenommen. Das war allerdings bevor er durch diverse Filme eine gewisse Berühmtheit erlangte. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits an Lehrgängen mit H. Nishiyama (1928–2008) und vor allem T. Kase (1929–2004) teilgenommen hatte, empfand ich – aus meinem bescheidenen Blickwinkel – T. Nakas Karate als eher mittelmäßig. Was mir allerdings positiv auffiel: Er war auch außerhalb des Trainings sehr freundlich und zugänglich.
Zur restlichen Diskussion würde ich einwerfen wollen, dass es müßig ist, Begriffe wie „Entspannung“ oder „Krampf“ in einem Forum zu nutzen oder zu erklären, da (1) wohl jeder etwas anders darunter versteht und (2) durchaus viele Leute – warum auch immer – der Meinung sind, dass sowieso „alle“ das gleiche ausübten:
(1) Die Art von „Entspannung“, mit der z. B. R. Hotton im Film „argumentiert“ wäre für mich „geschauspielerte Entspannung“ bzw. „Fake-Entspannung“. Diese lernen schon Neulinge in meiner Minitruppe zu erkennen bzw. zu erfühlen, um echte Fortschritte machen zu können. Denn sie stellt für mich keinen Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für die Ausbildung technischer Fertigkeit (Waza) dar. Für R. Hotton mag das „genau die richtige Entspannung“ sein; ich sehe da vor allem „Show“ …
(2) Ganz gut erinnere ich mich an Lehrgänge z. B. mit T. Asai (1935–2006) in Deutschland, an denen nicht wenige Teilnehmer anstatt zuzusehen, zuzuhören, zu verstehen und nachzuahmen genau mit der Art und Weise von Körpereinsatz („Krampf“) alle Einheiten durchzogen, die sie sich mühevoll über viele Jahre angeeignet hatten. Anfangs glaubte ich, das sei eine Art Trotz, später aber, dass es da tatsächlich ein „Übertragungsproblem“ gab. D. h. die Botschaft des Senders (in dem Beispiel T. Asai) kam trotz viel Zeit und Mühe einfach nur schwach oder gar nicht bei den Empfängern an. Letztere „kannten“ Karate ja schon, weswegen sie bestenfalls ein paar äußere Abläufe nachstolperten. Als ich vor einiger Zeit einen kleinen öffentlichen Karate Lehrgang zum Thema Tekki abhielt, bemerkte ich teilweise viel Engagement, zugleich aber auch große Schwierigkeiten beim „Entspannen“. Dafür wäre viel mehr Zeit und vor allem Geduld erforderlich, da für viele „äußerliche Formen“ wichtiger (bzw. leichter/schneller zugänglich/nachvollziehbar) sind. „Äußerliche Formen“ „irgendwie“ nachahmen ist einfacher, als tatsächlich nach den Wirkmechanismen (wie „Entspannung“) zu „suchen“, die die „äußerlichen Formen“ im Idealfall wirksam werden lassen. In der frühen Literatur der Shōtōkan-Strömung (d. h. vor der JKA-Gründung) gibt es jedenfalls erstaunlich viele Hinweise und Erklärungen genau zu jenen Wirkmechanismen, die heute vielerorts scheinbar oder offensichtlich nicht bekannt sind …
Grüße,
Henning Wittwer





Mit Zitat antworten