weiter aus dem artikel der "welt":

Die gesamte Flüchtlingsdebatte hatte unter dem Zeichen einer buchstäblich grenzenlosen Moral stattgefunden, bei der jeder Zweifel in den Bereich des Amoralischen und Verwerflichen verwiesen wurde.
Die Flüchtlinge wurden zur Projektionsfläche einer lutherisch-protestantischen und sehr deutschen Selbstprüfung, die keinen Raum ließ für Zwischentöne.


Nun, da die vermeintliche Alternativlosigkeit nach wenigen Monaten an ihr Ende gekommen ist, wehren sich viele mit Händen und Füßen gegen die Zumutungen der Wirklichkeit, die bisher nur in angenehmer Abstraktheit als "Herausforderungen" den öffentlichen Diskurs bereichert haben.

In teilweise atemberaubender Empathielosigkeit gegenüber den weiblichen Opfern von Köln, Hamburg, Bielefeld, Stuttgart, Frankfurt und anderswo verteidigen viele von denen, die sich sonst tagtäglich für "Gender-Mainstreaming" einsetzen und die "Festung Europa" attackieren, ihre eigene Festung im Kopf.