Zitat Zitat von Stefan W Beitrag anzeigen
Hallo Shintaro,
da hast Du absolut recht!
Solange man sich dessen aber als Schüler und Lehrer (!) bewusst ist und sich nicht für den großen SV-Helden hält ist das auch kein Problem.
Kritisch wird es halt, wenn man über irgendein "Do", "Bushido", "Kämpfen durch Nicht-Kämpfen" - Geschwurbel versucht zu rechtfertigen, dass man hier nicht so hart trainieren muss, dass Sparring unsinnig sei und dass man eh überhaupt "total unbesiegbar" sei.
Ich finde einen Satz gut, den mal einer der höher graduierten Bujinkan-Lehrer aus dem Ruhrgebiet auf einem Seminar vor rund 200 Leuten herausgehauen hat:
Sinngemäß: "Wir machen hier keine Selbstverteidigung, wir trainieren alte Kampftechniken miteinander".
Fand ich gut, denn das entspricht auch meiner Vorstellung von Kampfkunst, wie ich sie trainieren möchte (bin ja nun auch nicht mehr der Jüngste ).
Ein weitere Satz, der mich mal beeindruckt hat war auf einem Kyusho-Ausbildungs-Seminar (!) auf dem der Ausbilder sagte:
"Schmerzpunkte sind für die Selbstverteidigung ungeeignet".
Es scheint also auch noch vernünftige Lehrer zu geben. Man muss sie wohl nur suchen...

Viele Grüße
Stefan
So isses! Ich denke, da sind sich hier zumindest alle einig. Um sich verteidigen zu können, muß man einen Grundstock von Techniken haben und muß viel üben, damit es automatisiert wird. Dazu gehört aber auch gerade im Bereich Stockkampf das Handling, mit dem Stock umzugehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die hier genannten Stockkampfsysteme gleich so geübt werden, so nach dem Motto "Haudrauf". Egal, was für einen Stil, ob er mehr kämpferisch ist oder mehr Wert auf Katas usw legt, wie Stiebler Hanbo - es muß lange Zeit trainiert werden. Handling, verschiedene SV Situationen, Freikampf. Nur so kann auch hier das angesprochene System Fuß fassen.

Zum Thema Alter und Fitness sage ich mal, nicht jeder ist noch in der Lage, harte Kämpfe auszutragen und entsprechend dafür zu trainieren. Da finde ich es gut, daß es eine Vielfalt von Kampfkünsten gibt, in denen man noch aufgehen kann und mit denen man entsprechend seiner Fähigkeiten noch gut trainieren kann. Wer will schon zum alten Eisen gehören. Meine Grenzen sind auch gesteckt, sodaß ich mich neu orientieren muß, um meine Kampfkunst weiterzuüben.
Das ist bedingt unter anderem auch der Hanbo.

Zu der Aussage des Bujinkan-Lehrers kann ich nur sagen, daß sich dies ehrlich anhört. So denke ich in meinem Tun auch. Ich habe durch aus Erfahrungen auf der Straße gemacht und weiß wie es läuft. Diese Sachen, die ich übe, sind eingeschliffen, so daß ich für mich sagen kann, daß das ein oder andere mit Sicherheit funktioniert. Für die SV nimmt man eh nur einen kleinen Bereich von Techniken, die bei jedem funktionieren und die man sicher kann. Alles andere stellt die Vielfalt der Kampfkunst da. Jeder kann sich aus der Vielfalt von Techniken das rausziehen, was er für sich persönlich gut findet und wo derjenige mit umgehen kann. Auch das wird zum Beispiel in dem Bereich Hanbo gezeigt. Wie das jeder für sich trainiert und auslegt oder auch kämpferisch übt, sollte jedem selbst überlassen sein. Die Prüfungsordnung, in der sich einige im DJJV System hervorheben wollen und sich darin austoben wollen, stellt nur einen kleinen Teil da, was mit Hanbo möglich ist. Und wie der Bujinkan Lehrer sagt, wir trainieren alte Kampftechniken. Die müssen ja irgendwann auch funktioniert haben. Warum also nicht.


Um noch einmal auf das Geschwurbel zurückzukommen. Ich las gestern mal in einem Buch von Werner Lind quer. Der Budostudienkreis ist sicher eine schöne Gruppierung, wo viel Training in verschiedenen Kampfkünsten angeboten wird, mit viel Budoromantik und mit viele philosophischen Aspekten. Da heißt es auch, "erkenne Dich selbst" usw. Das war soviel, daß ich es so auf die Schnelle nicht wiedergeben kann. Sind zwar interessante Ansätze, doch ich habe gespürt, daß man in seinem Tun durch diese vermeintliche Budoromantik ziemlich eingeschränkt und auch verunsichert wird. Die Leute dort waren nett, machten aber einen hörigen Eindruck.

Für mich ist in einer Kampfkunst wichtig, daß man sich gegenseitig respektiert und anständig miteinander umgeht, daß man zusammen trainiert und gemeinsam wächst und das meine seinen Stil ohne Druck trainieren kann und darin aufgehen kann. Natürlich auch, daß man seinen Weg findet. Dazu so gut wie möglich reale Trainingsmöglichkeiten schaffen und SV üben.

Ich denke, wenn das Hanbo-Jutsu sich im DJJV etabliert und auch in anderen Bundesländern fußen kann, hat das System Chancen. Auch wenn in den vergangenen Postings Vergleiche mit Dog Brothers und Stiebler gemacht worden sind, kann man durchaus in dem neuen Hanbo-System einige gute Dinge von jedem Stil einpflegen. Warum nicht. Es werden doch immer wieder Spaltungen kommen, wo ein Stil neu aufgelegt wird und neue Techniken oder Ansätze entworfen werden, um ein System auf bestimmte Bedürfnisse anzupassen. Das System bringt alles mit, man muß es nur trainieren und anbieten und nicht nur die Prüfungsordnung runterbeten. Die alleine macht das System leider nicht aus. Da ist mehr Potential drin.

Mal abwarten, was kommt.