Zitat Zitat von Pansapiens Beitrag anzeigen
Gibt es denn im Aikido - außer sich in Gefahr zu begeben - Übungsmethoden zum Erreichen der von Dir weiter vorne angesprochenen psychischen Stabilität?
Ja, gibt es.
Die Grundmethode ist einfach, sie heißt: Aufstehen. Egal wie oft, wie schnell oder wie hart man geworfen wird. Aikidotraining war früher wirklich sehr, sehr hart und anstrengend, es gab damals bei Ueshiba im Dojo Leute, die waren wirklich bereit auf der Matte zu sterben.
Was man heute sieht, ist meistens Rentneraikido, oder so was geschmeidig elegantes.
Man musste an die psychischen und physischen Grenzen gebracht werden, es gab oder gibt dafür Spezialisten. Der 2. Doshu, Kisshomaru Ueshiba, nannte das "die Waschmaschine". Jemand der neu war, vielleicht aus dem Ausland, wurde zu einem speziellen deshi geschickt der ihn physisch und psychisch kleingewaschen hat. Die Leute sind oft rausgegangen weil sie kotzen mussten.
Dann gab es esotherische Übungen, Ueshiba praktizierte spezielle shintoistische Übungen, chinkon kishin genannt.
Dann Waffentraining.
Uchideshi wurden manchmal nachts rausgeschickt um die Augen zu trainieren, das hieß u.a. sie mussten im dunkeln mit scharfen Schwertern üben.

Einer der Schüler Ueshibas in den 50ern war wirklich so drauf, hat nie aufgehört, bis ein Arzt gesagt hat er muss aufhören weil er sonst stirbt.
Nicht weil er schwach war, der hatte Kondition wie ein Pferd, ist jeden morgen vor dem Training um den Kaiserpalast gejoggt, die letzten 100 m bergauf in der Hocke, dann gefrühstückt und dann ins Dojo. Abends wieder.
Mein Lehrer, stammt noch aus dieser Zeit, er sagt immer wenn die Lippen blau werden, das ist noch nicht schlimm. Erst wenn die weiß werden, dann muss man aufhören. Das war bei diesem Typen so, aber er hat weiter gemacht. Ich weiß nicht wer ihn geworfen hat, oder ob er sich von mehreren Leuten hat werfen lassen, jedenfalls hätte er das weiter gemacht wäre er gestorben.
Dieser Mann hat dann meinen Lehrer als er jung war, ca. ein halbes Jahr lang in die Mangel genommen, so lange geworfen bis er nicht mehr aufstehen konnte, und das hieß, wirklich nicht mehr aufstehen können, jeden Tag, jedes Training. Die meisten Leute wissen das nicht, sie kommen nie an diese Grenze.
Dieser Mann, Kobayashi Sensei, heute über 80, nimmt immer noch bei Seminaren gerne Ukemi, und zeigt jungen Leuten wie der Hase läuft.
Leider ist er ein bisschen dicklich, sein Arzt meinte vor ein paar Jahren, er bräuchte ein bisschen mehr Bewegung.
Heute sieht man bei Seminaren Leute am Rand sitzen weil sie ein bisschen aus der Puste geraten sind, so gab es da nicht.
Was man da entwickelt, sind Qualitäten eines Kämpfers, auch wenn ja immer gesagt wird im Aikido gäbe es das nicht, aber im "echten" Aikido schon.
Es gibt zwei Methoden, Ukemi nehmen ist das eine.
Aber es gibt Uke die sind physisch und psychisch sehr stark, die greifen einfach immer wieder an, mit sehr viel Energie und Kraft, dagegen anzukommen ist eine echte Herausforderung, man wird einfach zermürbt. Das sind beide Seiten der Medaille. Das ist die Methode.