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Naja, zazen ist ja nicht einfach nur sitzen. Sondern das ist vor allem ein philosophisches/weltanschauliches/religiöses Gesamtsystem. Und wenn man dieses System für sich übernimmt, dann beeinflußt das auch die Art und Weise, wie man aikidô übt. Bis in die körperlichen Details hinein.
Ich persönlich habe im Aikido bislang nie einen spirituellen Weg gesucht. Definiert man "Zazen" als "sitzendes Zen", dann praktiziere ich das auch nicht. Nichtsdestotrotz hat "Sitzen" in Form einer Achtsamkeitsmeditation spürbare Effekte. Da finde ich mich mit meinen Erfahrungen eher wieder in dem, was Jon Kabat-Zinn über MBSR hier geschrieben hat.

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... deswegen ... hab ich ja als Hauptkriterium genannt: Den Lehrer, bei dem man übt anschauen und ihn oder sich fragen: Was hat er für sich "dazu genommen"? Was hat er integriert, was er nicht von seinem eigenen Lehrer gelernt hat? Das ist ja keine Wertung. Sondern einfach nur eine "historische" Frage. Dann dasselbe bei dem Lehrer des Lehrers: Was übt der, was er nicht von seinem eigenen Lehrer gelernt hat? In meinem Falle wäre dieser Lehrer der (drei) Lehrer meines eigenen Lehrers dann schon Ueshiba osensei. Im Fall von Endô sensei weiß ich z.B. daß zazen übt. Für sich. "Immer schon". Daß das aber nicht etwas ist, was er von seinem Lehrer (Ueshiba) oder "seinem shihan" (Yamaguchi) gelernt hat.
Wenn Endô sensei das originale Aikido repräsentiert, dann kann die Tatsache, dass ein Lehrer "immer schon" Zazen übt, kein Unterscheidungsmerkmal sein, ob der "was dazu genommen hat" oder nicht.

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Ich habe ja oben manchmal Gerd Walter angeführt. Was und wie er erklärt, ist - soweit ich das über Videos und über das Üben bei Schülern von ihm beurteilen kann - ganz maßgeblich davon geprägt, daß für ihn zen eine Bedeutung hat.
Mein Lehrer, der ~ "vom shintô herkommt"~ übt signifikant anders.
Bei Endô sensei ist es noch einmal anders aufgrund seines Hintergrundes ...
Letztes Jahr hatte ich ja die Gelegenheit wahrgenommen, einzelne Übungseinheiten bei dem einen oder anderen Schüler von Endo sensei mitzumachen, insbesondere beim Aikido Sommer Berlin. Inzwischen ist die Erinnerung daran schon ziemlich verblasst. Mein Eindruck war aber, dass sich die Übungen tatsächlich von dem unterscheiden, was ich gewohnt bin. Auffällig für mich war, dass gerade der Anteil der Kihon-Waza, also der Basis-Techniken des Aikidos, signifikant niedriger war zugunsten von Körperarbeits-Übungen. Das, was der Doshu als "Basis/Standard-Aikido" (in der Morningclass des Hombu-Dojos) zeigt, ist da meinem gewohnten Unterricht deutlich näher.

Zitat Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Wie Paul immer so schön sagt:

Es ist völlig egal was irgendwelche “alten Meister” irgendwann mal konnten, oder gekonnt haben sollen. Das Einzige, was wichtig ist, was Dein Lehrer kann und was er dir beibringen kann.
Das sehe ich auch so. Wobei der Spatz in der Hand mir lieber ist als die Taube auf dem Dach. Also lieber ein zu mir passender Lehrer, bei dem ich regelmäßig üben kann, als ein berühmter Lehrer, den ich maximal 1-2 mal im Jahr auf Lehrgängen mit Hunderten von Teilnehmern sehen kann.