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Thema: PAHUYUTH - Was ist der tiefere Sinn des Pahuyuth und warum wird es weitergegeben?

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  1. #19
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    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    ich befürchte, wir reden aneinander vorbei.
    nehmen wir an, PHY wäre ein 2,5 tausend jahre alte kriegskunst.
    wer sie heute lernt, ist aber kein krieger. wer sie heute lehrt wahrscheinlich auch nicht.
    und ich meine krieger (nicht verwechseln mit kämpfer). es lehrt und lernt niemand mehr, um damit in den krieg zu ziehen.
    um eine echte kriegskunst zu sein fehlt der sache eine ganz wesentliche eigenschaft, nämlich der zweck (krieg). ist dieser zweck nicht gegeben, dann handelt es sich allerhöchstens um eine kampfkunst, die (ehemalige) kriegstechniken beinhaltet. ist niemand mehr dabei, der diese techniken in echt angewendet hat, dann ist es eine kampfkunst, die techniken beinhaltet, von denen man annimmt, es wären kriegstechniken. damit ist nicht gesagt, dass diese kampfkunst dann sinnlos ist, oder unbrauchbar - es ist nur keine kriegskunst. hier hinkt der vergleich zu den kampfschwimmern etwas - die mögen damals keine einsätze erlebt haben, aber deren ausbildung verfolgte den kriegszweck
    wenn, dann betreiben ksk, seals, spaznas und co. sowas wie ein kriegskunst, wobei ich jetzt die steile these aufstelle, dass sie ihr zeug als handwerk verstehen und nicht als kunst. ich würde mich sogar aus dem fenster lehnen und behaupten, dass heutige krieger nicht unbedingt gute kämpfer sind. ich würde jedenfalls nicht auf einen kskler wetten, wenn er in der kneipe an einen kirmesboxer gerät.
    btw., nahkampf und bw: außerhalb der spezialeinheiten ist alles, was unter nahkampf läuft ein schlechter witz.
    was realitätsnähe und charakterbildung angeht - beim kampfsport könnte es zutreffen, bei der armee nicht unbedingt.
    und zum schluss:
    der grund weshalb ich diese fragen gestellt habe, war die diskrepanz zwischen dem gelebten und behaupteten zweck - auf der einen seite toben sich die leute aus, lernen ein wenig sv und haben spaß (was wirklich mega in ordnung ist) und auf der anderen seite erzählen die was von freiheitskriegern und pipapo. und wenn das kein marketingtrick ist, dann ist es als würde ich einen antiken panzer fahren lernen, weil es könnte ja sein, dass ich mit dem auto zum bäcker muss - ist halt nicht so logisch.
    wenn man wiederum panzer als hobby hat und es einem spaß macht, dann ist es wieder völlig in ordnung, damit rumzufahren. man soll dann nur nicht so tun, als würde man damit jederzeit ins gefecht ziehen wollen, oder dass es einer der besten ideen wäre, damit einkaufen zu fahren.
    Wäre ich einer jener Pahuyuthies, die beim Militär dienen, von (zivilen) Beratern ausgebildet wurden, in Behörden arbeiten, im Sicherheitsgewerbe tätig sind oder irgendeinem sonstigen, in Beitrag #1 erwähnten, „professionellen Gebrauch“ des Pahuyuth-Kampfwissens nachgehen, wäre ich von Deinem Beitrag möglicherweise ein wenig beleidigt. Als Binnenschiffer verzeihe ich Dir und empfehle allen Kollegen, die hier mitlesen, dies ebenfalls zu tun!

    Meine Empfehlung: Fang vielleicht noch ein bisschen kleiner an und lerne erst mal den Unterschied zwischen „Freiheitskämpfer“ und „Freikämpfer“ zu verstehen, bevor Du Dich versehentlich ganz falsch aufgleist. Ebenfalls könnte man mal die Suchfunktion der Pahuyuth-Website bemühen und dort die fraglichen Begriffe eingeben. Von "Freiheitskämpfern" steht da nichts und die Begriffe "Kriegskunst" bzw. "Kriegskünste" tauchen lediglich in dem Teil auf in dem es um die Fake-Geschichte des Muay Boran auf der MUAI-Seite geht.

    Wie ich in Beitrag #8 schon sagte: "Genauer lesen, mitdenken, nachfragen und erst dann in die Aktion gehen." – Es soll (womöglich) nicht zu Deinem / Eurem Schaden sein, weshalb dieser "Competency Building Cycle" auch in dieser Infografik enthalten ist.



    Wir reden durchaus über dasselbe Thema, allerdings aus verschiedenen Perspektiven. Pahuyuth war und ist keine Kriegskunst, sondern eine Kampfkunst, genauer ein Kampfwissen. Siehe dazu auch das Grußwort der Freikämpfer, Punkt 1.

    • Bei den Kriegskünsten geht es um Strategie, Operative Kunst und Taktik mindestens zweier Kriegsparteien (Gruppen, Truppenverbände, etc.).
    • Bei den Kampfkünsten geht es um autodynamische Aktivitäten mit Aktion und Reaktion zwischen Einzelpersonen (Individuen).

    Und ergänzend:

    • Als Kampfkunst bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth das Wissen über Konflikt und Auseinandersetzung. Es enthält physische und psychische Wissensbestandteile und unterliegt keinerlei Regeln oder Einschränkungen.
    • Als Kampfsport bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth eine ritualisierte Kampfart bei der es um ein einvernehmliches Messen der kämpferischen Fähigkeiten von zwei oder mehr Kontrahenten geht. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang der meisten Kampfsportarten.
    • Als Selbstverteidigung bezeichnet man eine rechtlich zulässige „Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“ (siehe StGB § 32 – Notwehr). Selbstverteidigung wird im Verständnis des Pahuyuth als Kampfkunst unter Achtung und Wahrung der jeweils vorherrschenden Gesetze definiert. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang der Selbstverteidigung.
    • Als Showkampf bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth eine inszenierte Kampfart, die dem Zweck der Unterhaltung dient. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang des Showkampfes.

    Ich sehe, dass die Unterscheidung zwischen diesen ganzen Begriffen Probleme bereitet. Entsprechend habe ich angeregt, dass wir sie vielleicht mal im Pahuyuth-Glossarium aufnehmen sollten.

    Zitat Zitat von Lugasch Beitrag anzeigen
    ich kann gerade nicht so gut zitieren, mache das deshalb am stück:
    1) mit kampf/kämpfer meine ich die variante ohne schusswaffen, daher auch die kneipe als ein halbwegs ziviler ort. bei einem häuserkampf würde ich widerum auf den kskler setzen.
    2) es ist ein unterschied, ob ich irgendwas lerne und es später im krieg einsetze, oder ob ich direkt etwas für den krieg lerne. nach deiner argumentation wäre auch boxen eine kriegskunst. die erwähnte diskrepanz besteht darin, dass einerseits suggeriert wird, man würde altes zeug lernen, was irgendwelche freiheitsguerillas im krieg entwickelt haben sollen, womit man selbst zu einem freiheitsguerilla wird und so richtig bad ass ist. in echt sind es dann irgendwelche berliner freizeitsportler, die eine nette zeit verbringen, etwas abnehmen und in der lage sein wollen die osloer straße sicher zu überqueren.
    3) unterschied kriegskunst - kriegshandwerk:
    ein kskler verbringt sehr viel zeit mit lernen und training und die gelernten sachen decken sehr viele bereiche ab: schießen, taktik, orientierung, sprengstoff, zugriffstechniken, blabla. für alles gibt es spezialisten, die ihn auf dem jeweiligen feld ausbilden und trainieren. die fähigkeiten sind seine toolbox und er ist permanent damit beschäftigt die tools zu pflegen. das ist seine arbeit, und der geht er mit mehr oder weniger lust nach. das ziel ist aber nicht die toolbox möglichst voll zu packen und permament zu perfektionieren, sondern einfach genug drauf zu haben, um die 10-20 jahre im außeneinsatz zu überstehen. später kann man selbst ausbilder werden und dann gibt es noch die rente. aber es gibt wahrscheinlich niemanden, der alle aspekte bis ins kleinste beherrscht und bis ins hohe alter übt. und wenn man die goßen klassiker anguckt, wie z.b. sun tzu oder machiavelli, dann sieht man, dass auch in den frühen zeiten unter der kriegskunst nicht unbedingt der kampf von einzelpersonen verstanden wurde. belagerungswaffen, schutzgraben anlegen, solche sachen schon eher.
    1. Sofern keine Schusswaffen oder sonstige militärische Ausrüstung im Spiel sind, setze ich auf die Türsteher!

    2. Wenn Du eine Kampfkunst lernst, um sie später einzusetzen, empfehle ich Deine Denkweise zu überprüfen!

    3. KSKler sind Spezialkräfte, die für spezifische Einsatzzwecke und Rahmenbedingungen nach den Verhaltensmustern des Guerillakampfs ausgebildet wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Diese spezifischen Einsatzzwecke und Rahmenbedingungen sind nicht deckungsgleich mit einer Kneipenschlägerei und daher in diesem Szenario nur sehr bedingt von Nutzen.

    Zitat Zitat von Kunoichi Girl Beitrag anzeigen
    fällt eine un(ter)bewusste beinflussung des „warum“ und/oder des „wie“ hierbei auch unter „bestimmen“?
    Das Modell der Autodynamik berücksichtigt bewusste und unbewusste Faktoren. Je mehr es um den nichtkörperlichen bzw. unterbewussten Bereich geht, desto mehr rückt Deine Fragestellung in den Fachbereich des SAIYASART, das, ebenso wie das PAHUYUTH, ein Teil des überlieferten Freikämpfer-Wissens ist.

    Zitat Zitat von Kunoichi Girl Beitrag anzeigen
    jedenfalls scheint sunthus als meister ähnlich gnadenlos wie sifu paimei:



    denn in diesem unterrichtsbeispiel teilt er den (probe)schülern mit, er habe sein mitleid zu hause "vergessen".
    Der Begriff „Meister“ ist im Pahuyuth nicht gebräuchlich, weil er eine Form von Hierarchie und Über- bzw. Unterordnung impliziert, die so nicht vorhanden ist (siehe dazu auch "Das Vermittlungskonzept des Pahuyuth"). Eine Person, wie den im Video dokumentierten Rotgurtträger, bezeichnet man als einen „Lehrer“, weil er lehrt.

    Pahuyuth-Lehrer sind Vermittler von Wissen. Sie sind niemals „Meister“ oder „Herrscher“ über ihre Schüler, sondern immer nur einfache aber erfahrene Menschen und Kämpfer, die ihr Wissen bereitwillig und stets mit einem empfehlenden Charakter teilen. Alles andere würde das Gleichheitsprinzip der Freikämpfer verletzen. Siehe dazu auch:





    Mal zum direkten Vergleich, wie sich jene Muay Boran "Lehrer" aufführen, die sich "einfach nur gegenseitig zu Lehrern ernannt haben und sich nun von zahlungskräftigen Ausländern einmal jährlich anbeten lassen".



    Nach meiner pädagogischen Lehrmeinung ist das, was diese Kru Muay Association da treibt zwar prima zum Kohle machen, aber definitiv keine Grundlage um freie, mündige und selbstbestimmte Kämpfer ausbilden zu können!

    Gesellschaftliche Hierarchie und die damit verbundene Obrigkeitshörigkeit bzw. die Unterwerfung des Individuums zu Gunsten des Machterhalts sind zwar ein integraler Teil der thailändischen Kultur aber ausdrücklich NICHT der des Pahuyuth. Die Freikämpfer des Pahuyuth streben seit je her nach individueller Freiheit und Gleichheit unter Menschen, was einen Gegensatz zu den meisten südostasiatischen Kulturen darstellt. Wer sich fragt, warum nicht nur viele Westler, sondern auch viele Thais Probleme mit der Aneignung des Pahuyuth-Wissens haben, könnte hier eine kulturell bedingte Antwort finden.

    Zurück zu Deinem Beitrag: Die traditionelle Verwendung von Kämpfernamen bzw. selbstgewählten Aliassen wird schon seit 1975 an der Pahuyuth-Schule in Berlin gepflegt, kam aber erst in den letzten Jahren, und natürlich besonders im Zuge des bewusst anonym gestalteten Online-Trainings, so richtig zum Tragen. Auch dies ist ein Teil der „back to the roots“-Bewegung, die in dem anderen Threads angesprochen wurde.

    Auf der neuen Online-Trainingsseite steht hierzu:

    Zitat Zitat von Pahuyuth.com
    ANONYMITÄT – VON WEM LERNE ICH? WER SIND DIE AUSBILDER?

    Pahuyuth ist eine traditionelle Kampfkunst, die nach den Überlieferungen der alten Freikämpfer gelehrt wird. Die alten Freikämpfer waren paramilitärische Spezialkräfte, Söldner und Kommandoeinheiten, die über viele Jahrhunderte hinweg in Südostasien für Frieden und Freiheit gekämpft haben. Die Verschleierung ihrer Identitäten diente ihnen zum Schutz vor Verfolgungen. Sie wurden zu „Niemand“.

    Beim Pahuyuth pflegen wir eine sogenannte „Tradition der Diskretion“. Das bedeutet, es interessiert uns nicht wer Du bist, wo du herkommst und was Du schon alles kannst oder erreicht hast. Weder glorifizieren wir unsere Lehrer, noch schmücken wir uns mit den Leistungen unserer Schüler. Du brauchst keinen von uns verherrlichen oder gar anbeten und erhältst umgekehrt auch keinen Applaus für das was Du für Dich selbst leistest oder gelernt hast. Stattdessen begegnen wir einander stets auf Augenhöhe und unsere Gemeinschaft ist seit je her offen für Menschen jedweder Herkunft, Ethnie, Geschlecht, Religion oder sonstigen Eigenschaften.

    Konkret bedeutet dies, dass Du für die Teilnahme an unserem Online-Training Deine Daten lediglich mit mit unserem Zahlungsdienstleister Patreon teilst. In der Kommunikation mit uns (zum Beispiel im Mitglieder-Forum), möchten wir Dich bitten Deinen Kämpfernamen bzw. ein selbstgewähltes Alias zu verwenden und die Anonymität der anderen Teilnehmer zu respektieren.

    Auf diese Weise wirst Du zwar niemals damit angeben können, bei diesem oder jenem Meister / Lehrer / Kru / Sifu / Sensei / Ajarn / Trainer / Instructor / Coach / Guru / Influencer / etc. trainiert zu haben (Nützt Dir auf der Straße eh nichts!). Stattdessen wirst du hinterher mit voller Berechtigung von Dir sagen können, dass „Niemand“ Dich ausgebildet hat. Wenn Du damit leben kannst, dann heißen wir Dich herzlich beim Pahuyuth willkommen!


    Ansonsten: Mitleid kenne ich von diesem Lehrer nicht, nur verzeihen und davon sehr viel!
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