Wäre ich einer jener Pahuyuthies, die beim Militär dienen, von (zivilen) Beratern ausgebildet wurden, in Behörden arbeiten, im Sicherheitsgewerbe tätig sind oder irgendeinem sonstigen, in Beitrag #1 erwähnten, „professionellen Gebrauch“ des Pahuyuth-Kampfwissens nachgehen, wäre ich von Deinem Beitrag möglicherweise ein wenig beleidigt. Als Binnenschiffer verzeihe ich Dir und empfehle allen Kollegen, die hier mitlesen, dies ebenfalls zu tun!
Meine Empfehlung: Fang vielleicht noch ein bisschen kleiner an und lerne erst mal den Unterschied zwischen „Freiheitskämpfer“ und „Freikämpfer“ zu verstehen, bevor Du Dich versehentlich ganz falsch aufgleist. Ebenfalls könnte man mal die Suchfunktion der Pahuyuth-Website bemühen und dort die fraglichen Begriffe eingeben. Von "Freiheitskämpfern" steht da nichts und die Begriffe "Kriegskunst" bzw. "Kriegskünste" tauchen lediglich in dem Teil auf in dem es um die Fake-Geschichte des Muay Boran auf der MUAI-Seite geht.
Wie ich in Beitrag #8 schon sagte: "Genauer lesen, mitdenken, nachfragen und erst dann in die Aktion gehen." – Es soll (womöglich) nicht zu Deinem / Eurem Schaden sein, weshalb dieser "Competency Building Cycle" auch in dieser Infografik enthalten ist.
Wir reden durchaus über dasselbe Thema, allerdings aus verschiedenen Perspektiven. Pahuyuth war und ist keine Kriegskunst, sondern eine Kampfkunst, genauer ein Kampfwissen. Siehe dazu auch das Grußwort der Freikämpfer, Punkt 1.
- Bei den Kriegskünsten geht es um Strategie, Operative Kunst und Taktik mindestens zweier Kriegsparteien (Gruppen, Truppenverbände, etc.).
- Bei den Kampfkünsten geht es um autodynamische Aktivitäten mit Aktion und Reaktion zwischen Einzelpersonen (Individuen).
Und ergänzend:
- Als Kampfkunst bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth das Wissen über Konflikt und Auseinandersetzung. Es enthält physische und psychische Wissensbestandteile und unterliegt keinerlei Regeln oder Einschränkungen.
- Als Kampfsport bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth eine ritualisierte Kampfart bei der es um ein einvernehmliches Messen der kämpferischen Fähigkeiten von zwei oder mehr Kontrahenten geht. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang der meisten Kampfsportarten.
- Als Selbstverteidigung bezeichnet man eine rechtlich zulässige „Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“ (siehe StGB § 32 – Notwehr). Selbstverteidigung wird im Verständnis des Pahuyuth als Kampfkunst unter Achtung und Wahrung der jeweils vorherrschenden Gesetze definiert. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang der Selbstverteidigung.
- Als Showkampf bezeichnet man im Verständnis des Pahuyuth eine inszenierte Kampfart, die dem Zweck der Unterhaltung dient. Die daraus resultierenden Einschränkungen prägen den technischen Umfang des Showkampfes.
Ich sehe, dass die Unterscheidung zwischen diesen ganzen Begriffen Probleme bereitet. Entsprechend habe ich angeregt, dass wir sie vielleicht mal im Pahuyuth-Glossarium aufnehmen sollten.
1. Sofern keine Schusswaffen oder sonstige militärische Ausrüstung im Spiel sind, setze ich auf die Türsteher!
2. Wenn Du eine Kampfkunst lernst, um sie später einzusetzen, empfehle ich Deine Denkweise zu überprüfen!
3. KSKler sind Spezialkräfte, die für spezifische Einsatzzwecke und Rahmenbedingungen nach den Verhaltensmustern des Guerillakampfs ausgebildet wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Diese spezifischen Einsatzzwecke und Rahmenbedingungen sind nicht deckungsgleich mit einer Kneipenschlägerei und daher in diesem Szenario nur sehr bedingt von Nutzen.
Das Modell der Autodynamik berücksichtigt bewusste und unbewusste Faktoren. Je mehr es um den nichtkörperlichen bzw. unterbewussten Bereich geht, desto mehr rückt Deine Fragestellung in den Fachbereich des SAIYASART, das, ebenso wie das PAHUYUTH, ein Teil des überlieferten Freikämpfer-Wissens ist.
Der Begriff „Meister“ ist im Pahuyuth nicht gebräuchlich, weil er eine Form von Hierarchie und Über- bzw. Unterordnung impliziert, die so nicht vorhanden ist (siehe dazu auch "Das Vermittlungskonzept des Pahuyuth"). Eine Person, wie den im Video dokumentierten Rotgurtträger, bezeichnet man als einen „Lehrer“, weil er lehrt.
Pahuyuth-Lehrer sind Vermittler von Wissen. Sie sind niemals „Meister“ oder „Herrscher“ über ihre Schüler, sondern immer nur einfache aber erfahrene Menschen und Kämpfer, die ihr Wissen bereitwillig und stets mit einem empfehlenden Charakter teilen. Alles andere würde das Gleichheitsprinzip der Freikämpfer verletzen. Siehe dazu auch:
Mal zum direkten Vergleich, wie sich jene Muay Boran "Lehrer" aufführen, die sich "einfach nur gegenseitig zu Lehrern ernannt haben und sich nun von zahlungskräftigen Ausländern einmal jährlich anbeten lassen".
Nach meiner pädagogischen Lehrmeinung ist das, was diese Kru Muay Association da treibt zwar prima zum Kohle machen, aber definitiv keine Grundlage um freie, mündige und selbstbestimmte Kämpfer ausbilden zu können!
Gesellschaftliche Hierarchie und die damit verbundene Obrigkeitshörigkeit bzw. die Unterwerfung des Individuums zu Gunsten des Machterhalts sind zwar ein integraler Teil der thailändischen Kultur aber ausdrücklich NICHT der des Pahuyuth. Die Freikämpfer des Pahuyuth streben seit je her nach individueller Freiheit und Gleichheit unter Menschen, was einen Gegensatz zu den meisten südostasiatischen Kulturen darstellt. Wer sich fragt, warum nicht nur viele Westler, sondern auch viele Thais Probleme mit der Aneignung des Pahuyuth-Wissens haben, könnte hier eine kulturell bedingte Antwort finden.
Zurück zu Deinem Beitrag: Die traditionelle Verwendung von Kämpfernamen bzw. selbstgewählten Aliassen wird schon seit 1975 an der Pahuyuth-Schule in Berlin gepflegt, kam aber erst in den letzten Jahren, und natürlich besonders im Zuge des bewusst anonym gestalteten Online-Trainings, so richtig zum Tragen. Auch dies ist ein Teil der „back to the roots“-Bewegung, die in dem anderen Threads angesprochen wurde.
Auf der neuen Online-Trainingsseite steht hierzu:
Ansonsten: Mitleid kenne ich von diesem Lehrer nicht, nur verzeihen und davon sehr viel!Zitat von Pahuyuth.com







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