Icih glaube, da vermischen sich mehrere Aspekte.
Zum einen der kulturelle Aspekt, den Pansapiens beschreibt. Dabei geht es in der Unterscheidung von uchi und ura ja nicht um spezifisches Geheimwissen, das irgendwann zu der Basis hinzukommt. Sondern die ura-Aspekte sind in den omote-Formen immer schon enthalten. Das ist im aikidô nicht anders als in dem Schwert von Inaba, das aus der KSR herkommt. Oder in der TSKSR. Die kata, die man in der ersten Stunde übt, enthalten bereits (fast) alles in sich, was es zu lernen gibt. Enstprechend sehen im Laufe der Entwicklung "anders" aus. Obwohl sie immer gleich aussehen.
Es geht also auch im aikidô nicht um die Addition von Geheimnissen, sondern um einen Entwicklungsfortschritt. Die Techniken von Endô sensei sehen z.B. auch anders aus als die von Christian Tissier, weil sensei bereits ein fortgeschritteneres Stadium als Basis unterrichtet.
Gleichzeitig geht er davon aus - und sagt das auch ganz offen - dass diejenigen, die ihn nur auf seinen öffentlichen Seminaren besuchen, ohnehin nicht in der Lage seien, das wirklich zu erfassen und zu üben, was er zeigen kann. Er erwartet, dass man ihn in seinem dôjô besucht und dort eine zeitlang übt, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, sein aikidô zu erfassen. Und dann gibt's diejenigen, die ihr "bürgerliches Leben aufgeben" und im dôjô einziehen. ... noch ein Schritt mehr ...
Mir kann das auf meinem Niveau völllig wurscht sein: Ich habe mehr als genug zu knabben an dem, was sensei öffentlich für alle Welt sichtbar unterrichtet ...
Übrigens:
Mir geht das als Lehrer gar nicht anders als ihm. Die allermeisten Menschen, die bei mir üben, wollen gar nicht jeden Tag eine Stunde zu Hause üben, was auch immer ich ihnen mitgebe. Enstprechend läßt sich auch das Training nicht daran orientieren oder darauf aufbauben. Ich habe einige Jahre versucht, das zu etablieren. Aber es hat schlicht nicht funktioniert.
Nebenbei bemerkt:
Ich bin keiner jener Eingeweihten denen sensei abends beim Bier seine Geheimnisse anvertraut. Ich übe lediglich bei und mit Menschen, die zu diesem Kreis gehören.
Das, so glaube ich, ist der eigentliche Punkt:
Sensei erzählt von bestimmten Übungen quasi als "vorbereitende Körperertüchtigung". Ich glaube nicht, dass ihm überhaupt bewußt ist, dass andere das für "das Eigentliche" halten. Und vor allem: Anders als die kihon no kata, hat er in diesen Übungen keinen systematischen Unterricht erhalten.
Mir persönlich geht es nicht so sehr um die körperliche Stärke, die sich aus dieser Arbeit gewinnen lässt. Mir geht es im Kontext von aikidô darum, aiki in die waza zu integrieren. Dann hat das Üben von aiki einen deutlichen gesundheitlichen Effekt, der mir mit zunehmendem Alter zunehmend wichtig ist. Aber vor allem geht es mir um die spirituelle Arbeit. Und da ist das aikidô ein wichtiger Ausgleich zu der stillen, bzw. den unbewegten Arbeit des nei gong / nei dan. In unserer Schule wird von den meisten zu diesem Zweck taiji quan geübt. Bei mir übernimmt aikidô diese Rolle.Insofern wäre die Frage an CarstenM natürlich noch, ob internal power ein wesentlicher Aspekt dessen ist, was für ihn Aikido ausmacht.





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