Hallo Bero,

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Was ist denn, wenn beide ihr System fehlerfrei umsetzen, entsteht ein Raum-Zeit-Paradoxum und das Universum kollabiert?
Kennst Du irgend jemanden, der irgend ein System perfekt beherrscht? Spätestens wenn es das gäbe, könnte man Roboter bauen, die es perfekt umsetzen.

Deine Argumentation erklärt für mich jedes Mal auf neue, warum sich die EWTO nur sehr ungern einer offenen Evaluierung unterzieht und lieber unter sich bleibt.
Seit wann bleibt die EWTO unter sich? Sie steht kaum wie ein anderes System im Fokus der Öffentlichkeit. Die Evaluierung findet permanent statt. Dazu gibt es zu viele Personen, die sich von der Funktionalität des System überzeugen wollen.

Merkt da eigentlich keiner, was hier für ein Druck auf die Praktizierenden ausgeübt wird?
Kein Problem. Ein solcher Druck kann dazu führen, sich ins Zeug zu legen.


Der Tenor ist: "WT funktioniert perfekt wenn es richtig angewendet wird. Verlierst du, hast du es nicht richtig angewendet."
Wer will das bestreiten? Bisher konnte es in jedem dokumentierten Einzelfall entsprechend analysiert und begründet werden.


Tja das sag mal jemandem der Jahre, wenn nicht Jahrzehnte und viel Geld in diese Kampfkunst gesteckt hat. Der ein rotes/gelbes T-Shirt trägt und vielleicht sogar selbst Schüler unterrichtet, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dem vermittelt man mit so einer Aussage: "Du hast verloren weil du es nicht kannst, weil sonst hättest du ja gewonnen."
Diese Schwarz-Weiß-Malerei ist unangebracht. Zwischen Perfektion und Nichtkönnen liegen unendlich viele Ebenen von Können, Einzelfehlern, Grundlagenfehlern, Unaufmerksamkeit, Tagesform, und und und. Oder denkst Du etwa, dass ein Boxer nach einem verlorenen Kampf dem Denken verfallen würde, gar nicht Boxen zu können?

Warum also nicht einfach sagen: "Du hast verloren weil der andere besser war."?
Weil das keine wirkliche Hilfe ist. Erst wenn der Betreffende auf seine konkreten Fehler hingewiesen wird, wird er in die Lage versetzt, an diesen zu arbeiten.


...diesem furchtbaren Unbesiegbarkeitsanspruch den die EWTO vor sich her trägt...
Du meinst, der ihr vorhergetragen wird! Sie selbst erhebt nicht diesen Anspruch, ganz im Gegenteil zu manchem Mitbewerber, deren Vertreter die Ansicht vertreten, ihr System bräuchte niemals verbessert zu werden.

Warum dieser ganze Druck, warum nicht eingestehen, dass da Menschen und keine Systeme kämpfen
Lese bitte dazu einmal meine Beiträge etwas genauer. Denn genau davon schreibe ich immer wieder.

Solange die Kampfkünste von Menschen ausgeübt werden, wird es das "perfekte System" nicht geben können, dass ist nun einmal Fakt.
Falsch.... Hier sprichst Du wieder von System, nicht vom Menschen. Das perfekte System kann es durchaus geben, nur wird zwischen dem System und der Anwendung immer der Anwender selbst stehen, mit seinen sehr persönlichen Attributen an Fertig- und Fähigkeiten, Können, Kampfgeist, Aufmerksamkeit und so weiter.

Perfektion eines Systems kann zudem nur anhand konkreter Aufgabe ermessen werden, deren Prozesse bekannt und messbar sind (Beispiel: Mensur). Die Aufgabe des Entwurfs eines universell perfekten Systems scheitert an der diffusen Aufgabe, die es zu lösen hat, denn es gibt nicht „den einen“ Prozess, den wir Kampf nennen. In der SV sind andere Aufgaben zu lösen, als im Ring oder im Duell. Von daher betrachtet ist das perfekte System für den Boxsport, das Boxen selbst. Hierbei wird die Perfektion durch das Regelwerk beschrieben, welches die Handlungsweise bestimmt und vorgibt. Für die SV gelten andere Krtierien, Boxen kann hier nicht perfekt sein. In Hinsicht auf die Anforderungen einer universell funktionalen SV kann es kein perfektes System geben, da SV keinen einheitlichen Prozess ergibt. Es gibt SV-Situationen, die extrem unterschiedlich sind. Hier kann nur eine STRATEGIE sinnvoll sein, die sich den unterschiedlichen Situationen gegenüber anpasst.

Als traditionelles System, welches man fixiert und in seinen Prozessen festlegt, kann Perfektion angestrebt werden, Perfektion, welche die Form des Systems betrifft. In einem lebendigen System, welchen IN JEDER Situation sich dieser anpasst, ist Perfektion auch nicht das Ziel, sondern Funktionalität. Wäre es möglich, solche Prozesse immer wieder 1zu1 zu wiederholen, ohne Variation, dann erst könnte Perfektion angestrebt werden.

Insofern ist die Diskussion, das EWTO-WT würde Perfektion beanspruchen, Unsinn. Alles, was wir anstreben ist Funktionalität in den unterschiedlichsten Formen von Kampf, wie er in der SV vorkommen kann. Und Funktionalität ist dann erreicht, wenn das Systemverhalten erfolgreich ist. Dazu muß es nicht perfekt sein, sondern funktionieren.

Das gilt auch für das, was hier als Bodenkampf diskutiert wird. Gelingt es, mit Mitteln des Systems den Boden zu vermeiden, ist die Funktionalität vorhanden. Ist sie vorhanden, dann MUSS (der Logik nach) im Falle des „Falles“ ein Fehler begangen worden sein.... Das ist alles. Dann wäre es die Aufgabe, den Fehler ausfindig zu machen, ihn zu analysieren und durch entsprechendes Training oder durch modifiziertes Training auszurotten.



Gruß, WT-Herb