Zitat Zitat von Captain Kürbis Beitrag anzeigen
... als Mensch der sich nun auch schon ein paar Jahre über die Matte rollt und auch immer gerne getestet hat stutze ich da schon etwas.
... wollte ich wissen ob das was ich da übe funktioniert oder nicht. Das naheliegendste war da dann das im Sparring mit anderen Kampfsportlern und anderen die Bock auf körperliche Auseinandersetzung haben zu testen
und ich habe komplett andere Erfahrungen gemacht als er.
sic.

Mir ist ganz ehrlich nicht klar, worin die Faszination liegt, was diesen jungen Mann und seine Aussagen über aikidô anbetrifft. Er sagt irgendwo in einem Interview, das Besondere an seinem Tun sei nicht, daß er als aikidôka Crosstraining, Sparring etc. ausprobiert habe, sondern daß er es gefilmt habe und seine Erfahrungen allen zur Verfügung stellen würde. Es bleiben ja aber doch lediglich seine Erfahrungen. Andere Übende haben eben ganz andere Erfahrungen gemacht.
Ich erlebe seine Videos und Podcasts eher als Zeugnisse, die einen jungen Mann dabei beobachten, wie er erwachsen wird. Als daß diese Videos - vor meinem eigenen Erfahrungshintergrund - mir etwas über aikidô erzählen würden.

... weil er vorher dachte Aikido würde so funktionieren. ...
Interessanterweise beschreibt er in einem Text aus dem Januar 2017 Patrick Cassidy als den Lehrer, der ihn am stärksten beeinflußt hat. Zweieinhalb Jahre sei er in dessen dôjô uchi deshi gewesen. Ich habe nie selber bei Patrick Cassidy geübt. Aber alle Freundinnen und Freunde, die ich kenne, die ihn erlebt haben, beschreiben ihn als einen Lehrer, dem es gerade nicht um das Kämpfen geht, sondern um aikidô als einen Weg der inneren, persönlichen Entwicklung.

Und so liest man es auch auf der Website seines dôjô:
"We are committed to being a support for the awakening, transformation and evolution of the human individual, our society and the global community.
By offering the path of Aikido, the practice of Yoga, and the approach of Meditation, Aikido Montreux aims to give the student the clear perspective, skills and techniques for self discovery and transformation. The program places the emphasis on bringing this development into all levels of life and community, integrating these new experiences into who we are and how we live."
Ich selber erinnere mich, daß ich vor längerem einmal die Gelegenheit hatte, zu einem seiner Seminare zu gehen, mich aber dagegen entschieden habe, weil es mir "zu soft und zu spirituell und zu abgehoben" erschien. Eben gerade nicht handfest und kämpferisch ...

Woher also kommt der Gedanke bei seinem Schüler Rokas Leonavičius?
Zumal der im selben Text noch vor einem Jahr schreibt, daß ihn der Wunsch seiner Schüler nach mehr SV im aikidô unter Druck gesetzt habe, weil seine eigenen Ziele eher anderer Natur waren.

Wenn ich die Körpersprache diese jungen Mannes betrachte, dann meine ich da nahezu keine Merkmale von Aggressivität und Durchsetzungswille zu sehen. Sondern ich meine jemanden zu sehen, der sehr vorsichtig mit sich selber und auch mit seinem Übungspartner umgeht. Ich empfinde es letztlich so, daß dort ein junger Mensch an dem Thema "Kämpfen" als seinem ganz persönlichen Thema arbeitet. Und das ist aller Ehren wert und sein gutes Recht. Ich habe aber den Eindruck, daß er sein ganz persönliches Thema auf den Übungsweg aikidô überträgt. Im klassischen Sinne des Begriffes Übertragung.
aikidô zieht Menschen magisch an, deren unterdrücktes Thema Aggression, Gewalt, Kämpfen, etc. ist. Auf einem der ersten Flyer unseres Vereins stand: "Aikido - Kampfkunst ohne Gewalt".