Langsam beginnt mich die Diskussion aus einer kulturübergreifenden Perspektive dann doch zu interessieren. Gibt es denn verlässliche, wissenschaftliche Tests an japanischen Rüstungen, und wenn ja, wo finde ich die? Auf die Schnelle bin ich nur hierauf gestossen:
Keine Ahnung, wie repräsentativ das ist (Rüstung, Schwert, Können des Ausführenden...). Die Schutzwirkung scheint mir aber doch recht beträchtlich zu sein, ich für meinen Teil würde mir ggf. überlegen, ob ich da wirklich lieber mit der Waffe "blocken" will ("parieren" schon eher), nachdem eine Waffe noch viel weniger ein Schild ist (und, ohne jetzt die Diskussion zu sehr aufwärmen zu wollen, nach dem, was ich bisher an Vergleichen gesehen habe, würde ich anehmen, dass die Differentialhärtung japanischer Klingen hierfür eher sogar einen Nachteil gegenüber der durchgehenden Federhärte europäischer Klingen darstellen würde). Im europäischen Mittelalter wurde die Rüstung ja tatsächlich als Schild eingesetzt, bzw. der Schild kam durch die Fortschritte in der Rüstungsproduktion ausser Gebrauch. Ich habe zwar ganz vereinzelt Abbildungen gesehen, die als "japanische Schilde" bezeichnet wurden, aber über deren Häufigkeit und Verwendung weiss ich einfach zu wenig.
Zu oben angesprochenen Themen der "Nicht-Notwendigkeit" von spezialisierten Techniken ohne Rüstung: Na ja, da könnte man jetzt anfangen zu argumentieren. In Europa entwickelt sich das Blossfechten ja innerhalb sehr kurzer Zeit als eigenständige Disziplin, die das Harnischfechten bei weitem überlebt und in verschiedene Kontexte Eingang findet. Sicher hätte man auch so tun können, also ob man weiter Harnisch trägt, aber Harnischfechten im europäischen Raum ist primär Ringen am Schwert. Ungerüstet hat man dann doch eine ganze Reihe von sinnvollen Optionen, die umso mehr interessant werden, wenn man nun mal nicht so (pzw. nur im wortwörtlichen Sinn) der Überflieger im Ringen ist. Wenn jetzt das Szenario, von dem ich primär ausgehe, ein ungerüstetes Duell sein sollte - und die gab es ja durchaus auch in Japan im 16. Jh. - dann erscheint es mir doch sinnvoll, mich auch gezielt darauf vorzubereiten. Je nach sozialem Kontext ist es unter Umständen sinnvoll, weiter den Hauptfokus auf dem gerüstetenen Kampf zu belassen oder aber diesen zu verschieben oder sogar umzukehren. Das gilt natürlich primär, wenn es um eine reelle praktische Anwendbarkeit geht - wenn ich primär Traditionen am Leben erhalten möchte, sieht die Sache anders aus. Um das zu analysieren, würde könnte man z.B. beginnen zu vergleichen, ob bzw. inwieweit sich die Schulen und Schriften von bekannten Duellkämpfern - für die eben dieser Aspekt sicher auch eine Marketingstrategie gewesen sein dürfte - interschieden.
So weit aus meiner westlichen Logik heraus argumentiert (noch dazu von jemand, bei dem nach dem Buch der Fünf Ringe und ein paar Büchern über die Judo/Jiu Jitsu Szene Anfang des 20. Jh. bald mal Schluss ist mit Kenntnissen über die Koryu). Wenn das in Japan nachweislich anders war und niemand Bedarf an einem spezialisierten System fürs Blossfechten gehabt hätte, würde es mich interessieren, warum das so war.
Beste Grüsse
Period.






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