Naja, auch das ist ja ein Begriff, der ein Sitzen in einem buddhistischen, insbesonder zen-buddhistischen Kontext bezeichnet. Für jemand, der zen übt, mag dieser Begriff das bezeichnen, was ihr dort übt. Das mag dein Lehrer sagen. Aber jemand, der kein zen übt, sitzt eben einfach in Stille. Nicht mehr ... aber eben auch nicht weniger.
zazen, shikantaza ... sind und bleiben immer Begriffe, die das Üben auf einen bestimmten spirituellen Kontext beziehen. In den Jahren, in denen ich so geübt habe, haben sie für mich gestimmt. Seit ich kein zen mehr übe, sitze ich eben einfach vor dem Training in seiza. Just this.
Ich glaube, dieser Strang hatte sich daraus entwickelt, daß ich irgendwann mal zen als ein Beispiel genannt hatte, für Aspekte, die von Außen in das aikidô eingetragen wurden oder werden ohne "original" dazu zu gehören. Und zen ist eben ganz ausdrücklich nicht mit aikidô verbunden.Allerdings kann ich bald nicht mehr nachvollziehen, was das noch mit dem Thema dieses Threads zu tun hat, zumal in früheren Diskussionen immer wieder betont wurde, dass O'Sensei kein Zen praktizierte und damit auch nicht gelehrt hat. Daher klingt die Meinung von Inryoku für mich plausibel: Zazen und Aikido mögen sich gut ergänzen, aber Zazen ist kein Teil des Aikido-Unterrichts.
Ich ganz persönlich denke inzwischen auch, daß zen und aikidô nicht besonders gut zusammen passen. Mir scheint, daß diejenigen, die diese Verbindung zu kultivieren versuchen, zum einen den Aspekt der Reaktivität des aikidô in den Vordergrund stellen. Gleichzeitig und im Zusammenhang damit gerät ihnen aus dem Blick, daß aikidô auch attakierende Aspekte hat.
Für Ueshiba osensei war aikidô ganz ausdrücklich in erster Linie ein spiritueller Weg. Und zwar von Anfang an. Er hat Takeda sensei und Deguchi sensei nahezu gleichzeitig kennengelernt und beides in sich integriert. Zumal die Erfahrung des Todes seines Vaters und die damit verbundene biographische Krise ebenfalls in diese Zeit fällt.Vielleicht kann das Üben von Aikido oder das Vorbild der Aikido-Lehrer dazu anregen, einen spirituellen Weg zu begehen.
Ebenso wahr ist, daß er diesen spirituellen Weg nicht systematisiert hat und nicht unterrichtet hat. André Nocquet (der meiner aikidô-Biographie näher ist, als Shioda sensei) hat ja ganz ausdrücklich nach diesem spirituellen Aspekt gesucht. Er hat von Ueshiba osensei sinngemäß gesagt bekommen, daß aikidô kein spezifisches religöses System sei oder bräuchte ... und Nocquet war enttäuscht ... und dann hat ihm Ueshiba osensei chinkon kishin "beigebrachth", hat ihn in der Etitette des aiki jinja unterwiesen ... und so weiter ...
Ist es aikidô auf höchster Ebene, wenn der spirituelle Aspekt fehlt?Für mich wäre Gozo Shioda ein Beispiel, der ja offenbar Aikido auf höchster Ebene verkörpert hatte.
Während mir die körperlichen, technischen Aspekte des aikidô von Shioda sensei sehr nahe sind, ist er mir ganz persönlich als Lehrer viel weiter entfernt, als z.B. Hikitsuchi sensei. Obwohl mir dessen technische Ausführung des aikidô ganz fern liegt ...
Was meint denn "Tempel der Götter"? (Ein Satz, der sich übrigens auch in der Bibel findet. Zumal wenn man dabei nicht griechische Götter denkt, sondern an kami ... .) Was bedeutet es, daß die Götter in unserem Körper wohnen? Und was heißt es, daß Shioda inzwischen viele Situationen erlebt habe, die ihn nun verstehen lassen, was er in seiner Jugend für dummes Geschwätz gehalten habe?In seinem Buch "Aikido Shugyo" sagte er von sich, dass er "kompletter Atheist" und ihm die religiösen Aspekte von Aikido "völlig gleichgültig" waren, und auch, dass Ueshiba niemanden (seiner Schüler) seinen Glauben aufzwang.*
*) Gozo Shioda. Aikido Shugyo, Abschnitt "Der Körper ist ein Tempel der Götter", pg. 194-195.





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