Hallo,
Kommt drauf an, welches Kumite genau gemeint ist. Wir bei uns (also meine Gruppe) machen gar ein Kihon-Kumite mehr (kein Gohon-, Sanbon, Kihon-Ippon- oder Jiyu-Ippon-)
Beim Sparring arbeiten wir gerade daran, über alle Distanzen zu gehen. ("Peters Range 1: Voice" lassen wir aber weg) Wir arbeiten von Standart-Mittelstrecken-Distanz bis zu horizontal grappling-Distanz. Bei letzterem stehen wir aber noch ziemlich am Anfang. Ich bin schon ziemlich stolz auf mich, wenn tatsächlich mal ein Juji-Gatame oder eine Transition vom scarf hold zur 4-quarter-side gelingt
Ich als Trainer bin aber gezwungen, zweigleisig zu fahren, da ich ja immer noch Leute auf Kyu- und Danprüfungen vorbereite. Gerade in den letzten Jahren hat es sehr stark angezogen, dass ich für Danvorbereitungen engagiert werde, so dass ich schon fast mehr Zeit mit Holzfäller- als praktischem Karate verbringe. Dies ist leider auch mit den entsprechenden Gesundheitsproblemen verbunden.
Ich gehe im Training sanft mit meinen "Schülern" um. (Schüler in Quotes, weil ich (zumindest bei mir im Verein) nur Erwachsene trainiere.) Ich bestehe nicht auf passiver Deckungshaltung, weichen Übergängen zwischen den Techniken oder double hip. Wenn sie unbedingt Hikite, Kime und Kiai machen wollen; des Menschen Willen ist sein Himmelreich. Es ist aber schön zu sehen, wie einer nach dem anderen so langsam um die Ecke gekommen ist und eingesehen hat, wieviel besser das alles funktioniert und wie gesünder das jetzt ist.
Uff, mit der Wortgruppe "wahres Karate" habe ich so meine Schwierigkeiten, da sie impliziert, dass es hier eine klare Definition gibt. Wenn es "wahres Karate" gibt, muss es auch "falsches Karate" geben. Das ist mir zu dogmatisch. Ich spreche lieber von "altem Karate" (damit meine ich das Karate vor der Umstellung Anfang des 20 Jahrhunderts) und "neuem Karate".
Bei einem anderen Verein, bei dem ich noch regelmäßig Training gebe, halte ich diesen Freitag einen Vortrag zu genau diesem Thema. Wir machen mal 'ne Einheit Theorie und Geschichte. Dann muss ich nicht jedes mal neu erklären, warum es Leute gibt, die glauben, dass man tiefe Stände für starke Wirkung braucht oder dass Hikite zur Krafterzeugung dient.
Im Übrigen wurde hier im Forum auch schon festgestellt, dass ich kein "wahres Karate" mache.
Urgs, der würde mit mir sicherlich auch den Boden aufwischen. Aber ich arbeite dran
Dass bei Angriffen gerade zurück gegangen wird, war schon immer so. Wird ja auch im Kihon-Ippon (ich glaube 6.Kyu oder so, woher soll ich das wissen - ich bin nur Prüferreferent) auch so gelehrt. Schlimmer noch: Wenn Tori mit Mae-Geri kommt, muss Uke einmal mit Gedan-Barai nach innen und beim zweiten Durchlauf mit Nagashi-Uke nach innen ausweichen.
Kann man sich nicht ausdenken.
Die Lernfähigkeit liegt aber auch fast überall bei fast Null.
Bevor ich meine Motorik auf Kickshot und double hip umgestellt habe, habe ich mit Ganzkörperbewegung gearbeitet. Zum Beispiel startet bei einem Oi-Zuki der hintere Fuß und die hintere Hand gleichzeitig und endet die Bewegung gleichzeitig. Hilmar Fuchs hatte in diesem Sinne einen starken Einfluss auf mich (falls den noch jemand kennt). Wenn man nur das macht, schießt man mit einem popeligem Oi-Zuki einfach jeden ab, der gerade zurück geht - egal wie schnell der ist.
Ich habe das auf Lehrgängen immer gemacht - also nicht Leute umgenietet, aber immer getappt. Das hat einfach nur dazu geführt, dass die Uke immer wütend geworden sind. Sie haben nämlich irgendwann erkannt, dass ich falsch angreife: Ich möge gefälligst so angreifen, dass sie es beim geraden Zurückgehen und Zwei-Takt-Blocken davonkommen.
Was soll man da sagen. Wahrscheinlich habe ich keine "wahres Karate" gemacht.
Im Schnitt bin ich alle zwei Wochen auf einem Lehrgang; auch bei Leuten die die gleiche oder eine niedrigere Graduierung haben als ich. Hier in der Gegend scheint das aber nicht ungewöhnlich zu sein; wenn wir Fritz einladen, rennen schon eine Menge höher Graduierte in der Halle herum.
Grüße
Sven






) Wir arbeiten von Standart-Mittelstrecken-Distanz bis zu horizontal grappling-Distanz. Bei letzterem stehen wir aber noch ziemlich am Anfang. Ich bin schon ziemlich stolz auf mich, wenn tatsächlich mal ein Juji-Gatame oder eine Transition vom scarf hold zur 4-quarter-side gelingt
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