@bär knuckle:
ich denke, das hängt bei mir damit zusammen, daß ich schon als kind über sehr, sehr lange zeit sehr viel gewalt erlebt habe.Wie hast du es geschafft, in diesem Zustand noch Dialog fähig zu bleiben und gegebenenfalls noch zu deeskalieren ? Bei mir sagt der Körper dann meist immer jetzt ist vorbei mit dem Reden und meine ganze Eloquenz ist weg
als objekt.
(und wenn ich gewalt sage, meine ich auch gewalt und nicht irgendwelchen lächerlichen kram wie ohrfeigen, oder prügel).
meiner meinung nach prägt so etwas, denn man muß ja irgendwie überleben.
irgendwann - das ganze ist ja ein prozeß - geht der puls nicht mehr hoch, wenn man schmerzen erlebt. auch bei starken schmerzen nicht.
irgendwann geht der puls einfach nicht mehr hoch, wenn man weiß, daß es gleich knallen wird ...
man wird innerlich kalt.
unbeteiligt.
es ist, als ob einen das alles gar nichts angeht.
es wird dann sehr still in einem drin.
und man tut, was man tun muß, um zu überleben.
oder geht beim versuch drauf. spielt keine rolle, es ist alles dasselbe.
wenn man über eine sehr langen zeitraum objekt von massiver gewalt war, lernt man mit gewalt umzugehen, ob man will oder nicht. manche zerbrechen daran in der weise, daß sie sozusagen lebensunfähig werden und nur noch angst kennen. meiner erfahrung nach ist das die mehrzahl.
andere nehmen irgendwann die gewalt an, machen sie zu einem teil von sich selbst, weil ein nebeneinander von "ich" und gewalt nicht möglich ist. man wird partiell oder zur gänze zu dem, wovon man bedroht wurde.
man akzeptiert.
und überlebt.
anpassung.
deshab zeigen ja erwachsene, die als kind schwer mißhandelt wurden, immer noch verhaltensmuster und strategien, die sie längst nicht mehr brauchen ... also nach meinung unbeteiligter nicht mehr brauchen.
aber diese muster und strategien haben sich bewährt, haben einst dem kind das überleben gesichert.
schwer, darüber zu schreiben. sehr schwer. vielleicht lösche ich diesen mist nachher wieder.
klingt alles sehr seltsam, ich weiß, aber zumindest bei mir ist das halt so.
ich bin nicht der große kämpfer, war in wettkämpfen stets nur mittelmaß, bin technisch nicht brilliant.
aber im ernstfall tue ich einfach, was getan werden muß.
keine ahnung, was da genau passiert. und nein, das heißt nicht immer, daß ich kämpfe, manchmal gehts auch ohne.
aber ich hab irgendwie keine angst. die kommt, wenn überhaupt, erst danach und viel später und überwältigt mich nicht.
man könnte mich "kalt" nennen, ich glaube, das träfe den kern der dinge.
ich denke, ich lasse den anderen in mich reinsehen. lasse ihn die wahrheit sehen, wie andrew vachss es mal genannt hat.
die meisten kommen damit nicht klar ...
ich weiß nicht, ob mein blödes geschreibsel hier deine frage beantwortet ...
aber besser kriege ich es nicht hin.
übrigens gar nicht so leicht, so ein seelen-striptease.





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