Ich hatte schon einen Blick in die Glaskugel geworfen und gesehen das die Antwort kommt ;-)
Wie kannst du Nichts und Leere gleichsetzen?!!! Die Leere wirken lassen, wie du es ja am Anfang geschrieben hattest, wäre ja noch ein interessanter Ansatz gewesen. Aber Nichts ist nicht Leere.
Vers 11 aus dem Daodejing den Geldsetzer/Hong auf S.212 zitieren ist übrigens ein Paradebeispiel dafür, dass man 'wu' nicht mit Nichts übersetzen kann und 'you' nicht mit Sein. Die Sache mit dem dialektischen Prinzip bei Laozi gar keine Einwände, aber alles andere sehe ich sehr kritisch. Sie stolpern ja im Prinzip über sich selbst, da sie erst ziemlich erzwungen vom 'leeren Nichts' reden, dann aber nur noch vom 'leer' reden im weiteren Verlauf der eher freien Zitierung des Verses.
Im ganzen Vers geht es ja darum, dass das was Leer ist eben gerade den Nutzen und Sinn des gesamten ausmacht. Dass also das, was scheinbar immer übersehen wird und für nutzlos und wertlos gehalten wird den eigentlich Nutzen ausmacht. Das erste ist die Nabe am Rad; das zweite das Gefäß das hohl/leer ist und das dritte der Raum mit dem Fenster.
Die Nabe ist leer und ermöglicht daher die Funktion des Rades. 'You' bedeutet 'haben' und weil es Speichen und andere Sichtbare Teile HAT (you) ergibt sich in seiner Zusammensetzung die Nabe, die nicht Nichts ist, sondern sich durch ihre Leerheit (wu, ohne, eben ohne all das sichtbare und konkrete) auszeichnet und dadurch einen ganz konkreten Zweck erfüllt. 'You' beschreibt also das Konkrete im Sichtbaren, während 'wu' ein sehr konkretes Wirken im Unsichtbaren beschreibt. Das Wirken tut aber nicht gewollt etwas, sondern allein durch sein Vorhandensein wirkt es. 'Wu' ist also ein konkretes "sein", ein Vorhandensein. Das ist ja genau der springende Punkt warum die Gegenüberstellung von Sein und Nichts in dem Kontext hier kein dialektisches Paar bilden können. Wir würden dem Sein ja auch eher das Nichtsein gegenüberstellen. Das lässt die Problematik offen, wie es im Daodejing auch ist. Mann könnte also vielleicht noch von 'Sein' (wu) und 'Haben' (you) reden. Dann würde aber 'wu' mit Sein übersetzt werden und nicht 'you'.
Dazu kommt noch, dass 'wu' und 'wuwei' nicht einfach beliebig gleichgesetzt werden können. Wenn von 'wu' die Rede ist, ist damit ein gewisses Phänomen gemeint. Wenn von 'wuwei' die Rede ist, ist damit eine Aufforderung an den Menschen gemeint sich in einer bestimmten Art und Weise zu verhalten.
Die Buddhisten haben dann aus 'wuwei' und 'youwei' einen Fachterminus gemacht, der das 'Unbedingte' (Leere, oder auch unbedingte Dharmas (wuweifa)), bzw. das 'Bedingte' (bedingte Dharmas (youweifa)) meint. Gerade deshalb fand ich es ja noch interessant 'wuwei' im Daodejing als 'das Leere wirkt' zu verstehen (vielleicht besser 'die Leere wirken lassen'. Leere wäre dann hier wieder mit Dao gleichzusetzen). Das hätte im Gegensatz zum Nichts ja noch Sinn gemacht. 'Das Leere wirkt' ist im buddhistischen Kontext ja schon fast eine wörtliche Übersetzung von 'unbedingt', oder 'unbedingte Leere'.
Eine tolle, richtungsweisende Arbeit! Kann man wirklich nur jedem der sich in der Richtung interessiert an's Herz legen.





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