Dem was Inryoku dazu geschrieben hat, kann ich zustimmen.
Mit 20 Jahren hatte ich tatsächlich mal Aikido angefangen mit der Vorstellung, dass das eine zu mir passende SV sein könnte und bin dann aus verschiedenen Gründen desillusioniert worden und hatte dann für 23 Jahre damit aufgehört. Im Gedächtnis geblieben ist mir aber die Gymnastik, die mir später geholfen hat, beginnende Rückenschmerzen abzuwenden und die Fähigkeit zu rollen und fallen hat mich im Laufe der Jahre ein paar Mal vor schweren Verletzungen bewahrt. Selbstverteidigung gegen beginnende, vermeintlich altersbedingte Bewegungseinschränkungen (Schulter, Hüfte) und Gelenkschmerzen waren Anlass und Hauptziel, vor bald 5 Jahren mit Aikido wieder anzufangen. Ich hatte halt Glück, dass ich das dazu passende Dojo auf Anhieb gefunden habe.
Mit dem in Post #215 zitierten Video wollte ich klarstellen, dass ich auch das übe, was Inryoku danach als "Basis-Aikido" bezeichnet hat. Deine zweideutige Antwort auf meine Frage bestätigt meine Einschätzung, dass es im Auge des Betrachters bzw. des Übenden liegt, ob man dieses "Basis-Aikido" eher als Bewegungskunst oder als Kampfkunst interpretiert.
(Quelle: Wikipedia)
Ich habe nun mal keine 40 Jahre professionelle Aikido-Erfahrung. Für manche fortgeschrittene Inhalte wäre ich wohl immer noch nicht empfänglich, so wie ich vor 4 Jahren für manches nicht empfänglich war, was ich in den letzten 2-3 Jahren gelernt habe.
Ich möchte mir aber auch keine Illusionen über die SV-Tauglichkeit machen, insbesondere wenn der Kampfkunst-Charakter im Widerspruch zu meinen Erfahrungen auf der Matte ist: die meisten Aikidoka, denen ich auf der Matte begegnet bin, wollen nach meinen Eindruck keine Kämpfer sein und werden oder sich mit echter Gewalt auseinandersetzen. Wenn man sich für einen Körpertreffer, insbesondere an Kopf oder Gesicht entschuldigen muss, für einen blauen Fleck vorwurfsvoll in der Umkleide angeschaut wird, dann kann ich das als Kampfkunst nicht mehr ernst nehmen. Das ist jetzt keine im Aikido oder einem bestimmten Stil oder Lehrer begründete Lehre, das ist mehr Gruppendynamik, die sich in (m)einem Dojo im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Unabhängig von meinem Lehrer, Stil oder Verband hatten die Artikel und Bücher von Ellis Amdur (z.B. A Consideration of Aikido Practice within the Context of Internal Training) einen großen Einfluss auf meine Einstellung, die ich vor ca. 3 Jahren überdacht hatte: Das ist einmal die Wertschätzung des Ukemi. Dabei ist mir bewusst geworden, dass in den ersten Jahren mein Lehrer mich kaum bei der Ausführung von Techniken korrigiert hat, aber ziemlich oft beim Ukemi.
Der andere Aspekt ist, dass Aikido-Techniken weniger als Wenn-Dann-Katalog von Angriff und Verteidigung verstanden werden sondern (auch) als eine Partner-Yoga, dass Gelenke stärkt und flexibel macht:
Jedenfalls ist es bei uns üblich, dass im Anschluss an die Halte-Techniken Ikkyo und Nikyo eine gezielte Schultergymnastik an Uke ausgeübt wird.Zitat von Ellis Amdur






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