Zitat Zitat von Inryoku Beitrag anzeigen
Denn wenn die Ausrichtung sich ändert, in welche Richtung das Ganze gehen soll, dann ändern sich auch die Kata.
Das beste Beispiel ist die von Aki50+ angeführte "Schultergymnastik", die nach Abschluss der Technik an Uke "ausgeführt" wird.
Das ist sicher kein Bestandteil der Kata, und wenn die Leute anfangen sowas zu machen, ändert sich der Tenor, und dann werden auch die Techniken bzw. Kata auf eine bestimmte Weise gemacht.
Das geht vielleicht alles, solange es immer wieder auch Grundlagentraining gibt, in dem die "korrekten" Bewegungsabläufe geübt werden, und auch die korrekte Form der Haltetechnik, die natürlich nicht bis zur Schmerzgrenze ausgereizt werden muss, aber wo deutlich gezeigt wird, hier, mein Freund, ist Ende.
Wenn dann Uke aber tiefenentspannt auf dem Bauch liegt, verliert er jedes Verständnis für evtl. vorhandene Escape-Mögichkeiten, die Traningsintensität geht völlig den Bach runter, und die Aufmerksamkeit (außer die, die sich auf das wohlige, entspannte Gefühl der Schultergymnastik/Massage richtet) geht verloren.
Bei uns wird die Haltetechnik (Nikyo oder Sankyo) ganz normal bis zu dem Punkt durchgeführt, an dem Uke abklopfen würde, d.h. bis zu dem Punkt, wo Tori die volle Kontrolle über Uke hat oder haben sollte. In der Regel warte ich darauf, bis Uke die Hand des freien Arms hochhebt. Ein Abklopfen ist für mich ein Zeichen, dass Uke keine Gynmastik wünscht. Gymnastik machen wir auch nicht nach jeder Technik, sondern vielleicht je 4 mal pro Partner in einer Trainingseinheit.

Kontrolliert ausgeführt, wirken die Haltetechniken Nikyo und Sankyo alleine schon wie eine Gymnastik, die die Gelenke und Sehnen flexibler und schmerzunempfindlicher macht und stärkt. Das heißt, im Laufe der Zeit wird man unempfindlicher gegenüber diesen Techniken, was dann wiederum kampfrelevant sein kann.

Uke wird die Schultergymnastik nur dann tiefentspannt genießen können, wenn er seinem Partner vertraut. Und er wird ihm nur vertrauen, wenn Tori dem Uke das Gefühl gibt, dass er weiß was er tut. Wenn ein Anfänger (als Tori) nicht richtig sitzt und selber um sein Gleichgewicht kämpft während er versucht den Arm des Partners zu verdrehen, würde ich als Uke natürlich vorzeitig abklopfen, bevor da ein Unglück passiert. Tori entwickelt im Laufe der Zeit ein Gespür dafür, ob sein Partner angespannt oder entspannt ist, was z.B. wichtig wird für sicheres Werfen und Fallen bei Kotegaeshi und Shihonage. Wer sich und den Partner oder Gegner besser spüren kann, wird ihn auch leichter kontrollieren können.

Vor zwei Jahren war ich mal zu Gast in einem Dojo in einer kleinen Gruppe, die für Widerspenstigkeiten etwas aufgeschlossener waren. Der Übungsleiter (2. Dan) hat mich für meine "gute Kontrolle" beim Nikyo am Boden gelobt. Da ich zwei verschiedene Varianten geübt hatte, um nach einem Kotegaeshi den Uke in die Bauchlage zu bekommen, von der nur eine (meine gewohnte) funktioniert hatte, konnte ich annehmen, dass der sich auch wehren wollte und damit sein Lob ehrlich war.

Davon ab: wenn ich wirklich testen wollte, ob meine Aikido-Haltetechniken "funktionieren", dann würde ich das nicht in einem "traditionellen Aikido-Dojo" testen, sondern in einem BJJ-Gym.