Zusätzlich zu den Ausführungen von LGD, die ich so grundsätzlich unterschreiben würde, noch ein entscheidender Punkt, den viele vergessen:
Als Trainer bei einem absoluten Neuling - und später eigentlich auch noch beim Großteil der Sportler - kann ich die Person nicht so gut einschätzen, dass sie keinen Muskelkater bekommt, wenn ich nicht den absolut minimalsten Schongang fahre.
Ich weiß nicht (und das nicht einmal bei den normalen Freizeit- und Breitensportlern) wie sie geschlafen, gegessen und getrunken haben, was nebenher gemacht wurde, wie viel Stress sie momentan haben usw. Das weiß nur der Sportler und es ist seine Aufgabe, das zu kommunizieren - bis ich die Person derart gut einschätzen kann und es mehr als ein Gefühl oder Raten (bzw. ganz offensichtliche und somit häufig zu späte Anzeichen) ist/sind, kann ich das weder mit Erfahrung noch vorher einschätzen. Es ist ein Glückspiel. Das kann ich auch am Typ nicht fest machen, wenn es eine gänzlich neue Belastung ist, kann ich entweder den Schongang fahren oder er/sie hat halt mal 1-2 Tage Muskelkater. Die Jungs, die ich als Beispiel im MT genannt habe und die nach den (moderaten und für den Rest vollkommen normalen und entspannten) Clincheinheiten kaum noch den Kopf heben konnten, bin beispielsweise ich, wenn ich 2 Monate nicht clinchen konnte, ein guter Freund mit weit über 100 Boxkämpfen und immer noch aktivem Wettkampftraining (mind. 5x pro Woche im Verein und 1x Sparring, nebenher tägliches Laufen und 2x Krafttraining). Würde ich die Wettkämpfer ins Ballett, zum Klettern, Feldhockey oder auch nur einen Breitensport-Ringerverein schicken - und die Jungs sind verdammt fit- hätten sie (bzw. manche) wohl nach den ersten Einheiten Muskelkater.
Wenn bei mir ein Anfänger im Training aufschlägt, der seit 15 Jahren aktiv Fußball spielt oder seit Jahren regelmäßig ins Fitnessstudio geht, ist die Chance trotzdem verdammt hoch, dass er Muskelkater hat, wenn die Händchen die ganze Zeit hochgehalten werden müssen - und der steht das Training eigentlich ganz gut durch und ist weit vom Arbeiten am Limit oder einer Grenze entfernt. (Natürlich gibt es auch die Fälle, die ganz um den Muskelkater herumkommen; Glück gehabt.)
Ich hab auch keine Ahnung, ob die Person nach dem Training ausreichend trinkt und regeneriert.
Wenn ich also einigermaßen sicherstellen will, dass die Person auch bloß keinen Muskelkater hat, wird sie wohl erst einmal monatelang ihr eigenes Ding machen und die Hälfte des Trainings pausieren.
Dass es dem Aufbau hinderlich sei, spielt beim Großteil der Anfänger keinerlei Rolle - und wenn es nur um den Muskelaufbau geht, ist das nicht das primäre Ziel des KS. Die trainieren auch ohne Muskelkater nicht 6x pro Woche und anfangs sind 2x Training pro Woche auch mit einem enormen Muskelkater nach der Einheit kein Problem. Dafür gibt’s dann nicht monatelang den Schongang, sondern sie sind nach wenigen Wochen so weit, das Training ohne Muskelkater zu überstehen und sich in die Gruppe zu integrieren.
(Abgesehen davon gebe ich offen zu, dass ich noch niemanden getroffen habe, der mit einem Muskelkater Probleme hatte bzw. den dieser gestört hatte und der danach auch nur im entferntesten die Willensstärke aufwies, auch mal die anstrengenderen oder härteren Einheiten durchzuziehen. Konditionseinheiten sind die Hölle und ich lege viel Wert darauf, dass das Team sich gegenseitig zieht. Bei den unangenehmen Übungen mache ich selbst mit und 5min Planks sind für niemanden ein Spaß, auch >100 Kicks pro Seite, alle 10 Kicks Seitenwechsel und zwischen dem Seitenwechsel noch je 5 Knie oder alle 30 Sekunden ein frischer Sparringspartner fürs (lockere) Sparring und das über 5 Minuten am Stück sind nicht angenehm, da ist Biss gefordert. Danach hat der Großteil zwar keinen Muskelkater, währenddessen ist das Gefühl jedoch weit schlimmer als jeder Muskelkater.)
Danke, wieder was gelernt.
+1!
Nein, das ist nicht selbstverständlich und auch nicht von Nöten. Man passt das Training an den Anfänger an, gibt ihm separate Aufgaben und betreut ihn. Dass viele der Aufgaben weniger fordernd sind, als das eigentliche Training, ist der Natur der Sache geschuldet - und nicht das Ziel der Übung. Trotzdem kann auch bereits das Stehen, Hände-Hochhalten oder Bewegen auf den Ballen zum Muskelkater führen und darum kommt kein Anfänger herum. Es gibt für mich auch keinen Grund, warum der Anfänger ein anderes Aufwärmtraining mitmachen sollte - und dabei wird dem Großteil bereits eindrucksvoll die Grenze aufgezeigt, da es einfach komplett neu ist; während es den Rest eigentlich nur auf die Betriebstemperatur bringt. 10 Minuten Seilspringen für jemanden, der das noch nie gemacht hat, sind die Hölle und verdammt anstrengend, wenn dann noch ein paar koordinativ fordernde Übungen (konstant und fortlaufend Schienbein Block re. außen, re. innen, li. innen, li. außen und währenddessen mit derselben Hand schlagen (zur Seite und eine normale Gerade oder auch mal nur Geraden), dann diagonal schlagen, dann abwechselnd, dann nicht nur Geraden usw. also eigentlich nichts Kompliziertes, für viele ist bereits das konstante Beinheben ein Problem und sehr anstrengend) kommen und der Anfänger Hand und Fuß nicht unabhängig voneinander bewegen kann, wird es auch da nicht entspannter für ihn. Dafür ist er jedoch im Training, um das zu lernen und es bringt ihm nichts, wenn ich ihm stattdessen andere Aufgaben gebe. Auch bei den lockeren 100 Kicks pro Seite in allen Höhen steigen beispielsweise viele aus, da es einfach ungewohnt und anstrengend ist, das Beinchen immer zu heben. Frusttoleranz gehört zum Kampfsport dazu und ein paar weitere charakterliche Voraussetzungen sollten auch mitgebracht werden, wenn man am Training Spaß haben will. Jemand der ein Problem damit hat, hart/anstrengend zu arbeiten und auch mal Unangenehmes durchzustehen, wird im Boxen nicht glücklich und dem muss ich auch nicht das Wohlfühlpaket verkaufen, damit er einen Vertrag unterschreibt und dann nie wieder kommt.
Alles was ich von den „Anfänger-Wohlfühl-Probetraining[s]“ habe, ist ein Anfänger, der ein falsches Bild vermittelt bekommt und dann häufig abbricht, sobald es ans eigentliche Training geht und auch mal etwas Leistung gefordert wird. Eine bestimmte Basis erwarte ich sowohl bei Freizeit-, Breiten- als auch Leistungssportlern; da kommt keiner drum herum. Die Anforderungen steigen nur stetig. Extrawürste - zumindest grundlose, damit man es bequem hat - zerstören die komplette Gruppendynamik und in einem Sport, bei dem man mit einem Partner arbeiten muss, macht das keiner Seite Spaß. Niemand erwartet, dass die Person direkt voll einsteigt oder dabei ist, doch gerade die „Wohlfühlgruppe“ neigt dazu, sobald es anstrengend wird, auszusteigen und dementsprechend zu stagnieren.
Gehört für mich allerdings auch zur Ehrlichkeit. Wenn ich nicht lediglich Verträge an den Mann oder die Frau bringen will, sondern ein realistisches Bild des Trainings vermitteln, das das böse Erwachen verhindert, wenn mal das normale Training ansteht, sollte man auch Einblick in dieses erhalten. (Boxen ist nicht für jeden was und das ist auch vollkommen in Ordnung.) Während es in den wenigsten Clubs ein Problem ist, wenn man nicht am Sparring teilnehmen will, habe ich noch keinen erlebt, bei dem es (im normalen Gruppentraining) akzeptiert wird, dass man bei den anstrengenden Sachen dann einfach aussetzt.
(S. o.) Glück gehabt, nicht mehr und nicht weniger. Es ist wichtig, dass man die Person weder über- noch unterfordert. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sie danach keinen Muskelkater hat oder dass man sie dahingehend eingeschätzt hat. Er wird vermutlich - wie auch jeder andere gute Trainier - die Übungen an sie angepasst haben und sie nicht an ihrem physischen oder psychischen Limit arbeiten lassen. Trotzdem sagt das absolut nichts über den Muskelkater aus.
Das hat auch niemand behauptet. (... und auch wenn ich (aufgrund der Beschreibung) das Training als brauchbar bewerte, heißt das im Gegenzug auch noch nicht, dass es das war - dafür müsste ich entweder den Trainer kennen oder am Training teilgenommen haben. Wichtig ist, dass es für sie gepasst hat.)
Ich warne lediglich vor dem Trugschluss, dass man einen Trainer irgendwie am Muskelkater messen sollte. Das spricht weder für noch gegen den Trainer. Natürlich freut sich der Sportler, wenn er keinen Muskelkater hat - also meistens. Das liegt nur häufig weniger am Trainer als am Sportler und irgendwann sollte dieser seinen Körper so gut kennen, um es selbst abschätzen zu können. Ich mache es auch nicht zur Aufgabe des Dozenten oder Prof., mit dem Studenten so lange zu lernen, bis der den Stoff verinnerlicht hat oder ihm die perfekte Lernmethode (für den jeweiligen Studenten - den er kaum/nicht kennt -) an die Hand zu geben.
+1!
LG
Vom Tablet gesendet.





- hätten sie (bzw. manche) wohl nach den ersten Einheiten Muskelkater.
. Die trainieren auch ohne Muskelkater nicht 6x pro Woche und anfangs sind 2x Training pro Woche auch mit einem enormen Muskelkater nach der Einheit kein Problem. Dafür gibt’s dann nicht monatelang den Schongang, sondern sie sind nach wenigen Wochen so weit, das Training ohne Muskelkater zu überstehen und sich in die Gruppe zu integrieren.
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