@madame:

Zitat von Lugasch
Die Moral kann möglicherweise nur dann die Wirkung entfalten, wenn sie durch eine hypothetische Bestrafung gestützt ist. Kann sich ein Individuum sicher sein, dass es keine Strafe zu erwarten hat, kann es sehr einfach in einen unmoralischen Zustand verfallen, was wir oft in den Kriegen sehen. Muss aber nicht.
Das würde keineswegs solche Dinge erklären, wie jene Leute, die im 2. WK Juden zu sich aufgenommen haben; erstens ist das für sich schon lästig, wenn man das Haus mit andern Leuten teilen muss; zweitens, falls es rauskommen würde, würden sie noch von der Obrigkeit bestraft werden und das drakonisch. Warum machen Leute sowas, wenn es doch von A-Z nur Nachteile und Ärger bringt?
waren jene, die im II. wk juden versteckt und gerettet haben, ausschließlich gläubige christen?
weil nur diese eine "moral" hatten, die ihnen gebot, so zu handeln?
wie ist denn das mit den kommunisten, die juden versteckten bzw. ihre verstecke mit juden teilten?
wie war denn das mit sozis, die gleiches taten, so lange sie selbst in freiheit waren?
ein teil meiner entfernteren verwandtschaft ist 1938 aus deutschland emigriert - geholfen haben ihnen sowohl gläubige als auch nicht-gläubige menschen. einer dieser helfer war ein erklärter atheist, der als beamter dafür sorgte, daß notwendige papiere beschafft wurden. der nach uruguay ausgewanderte teil meiner verwandtschaft hatte nach dem krieg bis zum tod dieses mannes regen freundschaftlichen kontakt zu ihm ...

warum handeln menschen wie dieser mann so - wenn sie doch weltliche strafe fürchten müssen und jenseitige belohnung als nicht-gläubige weder erhalten können noch darauf hoffen?
warum haben DDR-bürger einander aufopferungsvoll geholfen, etwa wenn es um "republikflucht" ging?
und das so ganz ohne christliche moral und ohne glauben ...