Oh Mann... Jetzt reicht es aber mit diesem Suchtquatsch!
@discipula: Du hast darin offenbar etwas Erfahrung, vermutlich durch deine berufliche Tätigkeit (nehme ich einmal an, da du ja meintest irgendwie im sozialpädagogischen Bereich zu sein), aber trotzdem gibt es hier fundamentale Missverständnisse, die du nicht aufklärst, sondern bloß drüber argumentierst.
Entweder du hast nicht erkannt was die andere Person meint (dann wären wir wieder beim Relativismus und der Kommunikation) oder du willst keine ernsthafte Diskussion führen, sondern die andere Person bloß überstimmen.
Zum Thema Sucht (und Kampfsport):
Die Sucht ist einerseits eine klar definierte Diagnose (ICD-10, F1x.x; das sind die offiziellen Suchtdiagnosen vom Alkohol über Cannabinoide, Opioide und alles Andere, das süchtig machen kann). Sucht ist aber auch ein lebensweltlicher Begriff. Ich hatte eine Zeit lang oft Lachgummi gegessen und konnte kaum Nein sagen, wenn mir jemand welche angeboten hatte. War das eine Sucht? Je nach Definition. Ja und Nein.
Die meisten Menschen trinken regelmäßig Kaffee (einige auch nicht; ich trinke beispielsweise keinen Kaffee, da er bei mir weder wirkt noch schmeckt). Viele Menschen trinken regelmäßig Alkohol (manche täglich oder fast täglich, manche zweimal im Monat, ich selbst einmal im Jahr zu Silvester). Viele Menschen rauchen (manche eine Packung täglich, manche nur am Wochenende; ich selbst habe es nie probiert). Ein Viertel der Menschen haben in ihrem Leben einmal Cannabis probiert, ein sehr geringer Prozentteil der Bevölkerung nimmt regelmäßig härtere Drogen wie Heroin, Kokain. Ein Teil schnüffelt Klebstoff, manche Deos (ja, wirklich...), manche strangulieren sich um high zu werden (gefährlich!).
Der Unterschied ist nun der Gebrauch bzw. Missbrauch der jeweiligen Substanzen. Ein Deo unter den Achseln ist der Gebrauch, ein Deo unter der Nase ist Missbrauch. Opioide als Schmerzblocker nach einer OP ist Gebrauch, gespritzt am Klo der Discothek ist Missbrauch. Ein Gläschen Wein am Wochenende ist Gebrauch, täglich drei Bier sind Missbrauch. Ein paar Zigaretten am Wochenende sind Gebrauch, eine Packung täglich Missbrauch. Und so weiter... Kaffee hat auch eine Diagnose, aber da kann ich nicht sagen wo der Missbrauch beginnt. Meistens beginnt die Sucht da, wo man nicht mehr anders "kann" (oder eher will) und mehr daran denkt es zu konsumieren, ev. sogar lügt um an den "Stoff" zu kommen. Kaffee bzw. Koffein ist da ein Grenzfall.
Süchte können sich aber auch "Nicht-Stoffgebunden" äußern. Ein paar Mal Sport pro Woche ist für viele Gebrauch; täglich mehrere Stunden, ständiges Denken an Sport und Lügen um Sport ausüben zu können ist Missbrauch. Es gibt auch eine Sportsucht, wie es eine Kaufsucht, eine Esssucht, eine Magersucht, eine Spielsucht und viele weitere sogenannte Verhaltenssüchte gibt. Auch hier ist der Unterschied zwischen Gebrauch und Missbrauch relevant.
Süchte können sich verlagern, MÜSSEN ES ABER NICHT. Hinter Süchten stehen oft übermäßige (oder verdrängte) Gefühle der Angst, Unsicherheit, Einsamkeit, etc. - dabei gibt es Auffälligkeiten bei der Wahl des Mittels. Opiat- und Bezodiazepin-Abhängige wollen oft Gefühle/Schmerzen betäuben; Kokain-Konsumenten wollen eher das Gefühl der Leere, der Sinnlosigkeit oder der Einsamkeit ausschalten. Wenn dann eine Sucht wegfällt, tauchen diese unangenehmen Gefühle wieder auf, werden stärker und müssen anders reguliert werden. Manche lernen damit umzugehen; manche entwickeln andere Coping-Strategien, die genauso schädlich sind. Sucht ist im Wesentlichen eine Form des selbstschädigenden Verhaltens.
Und was die Auswirkungen betrifft: Jeder, der meint, dass Alkohol oder andere Drogen keine kurzfristigen Schäden verursachen, der soll einmal 60-jährige Ex-Alkoholiker ansehen, die täglich ihre 2-3 Bier hatten. Die wissen weder wie sie heißen, noch können sie selbst aufs Klo oder erkennen ihre eigene Familie. Solche Menschen landen oft im Pflegeheim und vegetieren dann einige Jahre oder gar Jahrzehnte vor sich hin (je nachdem wie stark der Körper geschädigt wurde). Andere sterben mit 45 an Leberzirrhose. Viele Opiat-Konsumenten landen noch vor ihrem 30. Lebensjahr auf der Straße und werden irgendwann von mir betreut und behandelt. Nicht selten gehen damit schwere psychische Erkrankungen einher. Alle Drogen wirken in einem Teilbereich der neuronalen Systeme, die für Psychosen wie Schizophrenie verantwortlich sind. Die Gefahr erheblicher psychischer Krankheiten wächst mit jedem Konsum.
Was nun den Kampfsport betrifft: Dieser KANN ein effektives Mittel gegen Süchte sein. Ein Kollege von mir führt eine Studie durch: Kampfsport bei drogenabhängigen Jugendlichen. Es bleiben nicht viele lang dabei, aber jene, die dabei bleiben, schaffen es auch längere Zeit clean zu bleiben. Sie verändern sich, schaffen es mit ihren Gefühlen besser umzugehen (Sport allgemein hilft ja durchaus im Umgang mit übermäßigen Gefühle) und dadurch auch von ihren Süchten fernzubleiben.
Wie es nach dem Kampfsport aussieht, das wurde (meines Wissens nach) noch nicht explizit untersucht - aber ich kann mir vorstellen, dass da eine neue Coping-Strategie entwickelt wurde und die jungen Erwachsenen dann auch nachhaltig gelernt haben mit ihren Problemen "sinnvoll" umzugehen.




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