“Die” Bibel im Ringen gibt es nicht – es gibt mehrere KlassikerDas bereits genannte Buch dürfte da inzwischen zu den must-haves gehören, das Autorenkollektiv hat sich da wirklich Mühe gegeben (QR-Codes für Videos zu jeder Technik etc...). Und wenn man sich anschaut, wer die Autoren sind (Trainer von Weltmeister Frank Stäbler, Bundestrainer etc) sollte das Buch schon in den Einkaufswagen gewandert sein
Das Buch beinhaltet auch die “neuen” Techniken, insbesondere der Bodenkampf hat sich doch stark verändert seit den 1980ern. Als Enzyklopädie zu den klassischen Stand- und Bodentechniken finde ich die alten DDR-Bücher ehrlich gesagt besser, auch finde ich die Strichzeichnungen dort in der Kleinheit klarer als die Fotos. Der Klassiker ist hier “Ringen. Ein Handbuch für Trainer, Übungsleiter und Aktive” von Gain / Hartmann / Tünnemann. Als Mitmach-Buch ist “Ringen für Einsteiger” von Rothert sehr empfehlenswert (die Zeichnungen sind hier m.E. besonders klar, auch wird grafisch auf typische Fehler etc hingewiesen; die neuen Bücher mit der gleichen Zielsetzung - “Ich lerne ringen” und “Ich trainiere ringen” hatte ich nur kurz in Händen, sodass ich dazu nicht wirklich was sagen kann. Auf den ersten Blick wirkten sie aber deutlich kindischer als ihre Vorgänger, was wohl mit einer anderen Vermittlungsstrategie durch den Verband zu tun hat), ebenso das alte “Handbuch mit Grundtechniken für das Kinderringen” (ebenfalls von Rothert – hier besonders hervorzuheben das Anfügen von Spezialübungen zum Erlernen von jedem Griff und das nahezu völlige Fehlen von Text, sprich jede Technik hat ca. zehn Bilder) sowie “Ringkampf klassisch und frei” von Czech. Interational sind die Klassiker unter den Technikenzyklopädien “Winning Wrestling Moves” von Mysnyk und Co. sowie “Greco Roman Wrestling” von Martell. Hervorheben würde ich auch “Coaching Wrestling Successfully” von Dan Gable – es enthält nur eine Handvoll Techniken, dafür aber viel Drumherum, wie man ein komplettes Programm (inkl. Fitness) aufbaut, taktisches Vorgehen, individuelle Stärken und Schwächen etc. Als Trainer düfte Dich das m.E. besonders ansprechen. Daneben gibt es noch Spezialliteratur, die je nach Trainingsfortschritt mehr oder weniger Sinn macht. Kaum zu kriegen, aber für die obere Leistungsebene super sind z.B. “Free Style Wrestling” von Shahmuradov (da geht es in erster Linie um Kombinationen und Lieblingstechniken am Beispiel von diversen Weltklasseringern; Shahmuradov war selber einer, aber als Trainer ist er legendär – mein Trainer hat buchstäblich feuchte Augen gekriegt wenn er versucht hat mir zu erklären, wie genial der Typ war) oder das Buch “The technical evolution of modern wrestling” von Corneau / Dmowski / Neri (mit Abstand die kompletteste Sammlung an Greco-Techniken, die ich je gesehen habe). Unter den Handbüchern für Drills gibt es sehr viel – Alexander Leipold hat eines geschrieben mit dem Titel “Athletiktraining mit Zweikämpfen”, aber die DDR-Vorläufer “Muskeltraining mit Partnerübungen” und “100 kleine Zweikampfspiele” sind mindestens genauso gut (und zusammen wesentlich breiter). Ist halt wieder eine Sache der Vermittlungsstrategie. Und irgendwann kommt dann mein nächstes Buch, das hoffentlich alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt
So, das war jetzt sehr viel Input, was macht man jetzt damit?Mein Tipp wäre: hol Dir erstmal “Die Techniken im Ringen” als Nachschlagewerk, wenn was zu Techniken unklar ist. Generell würde ich empfehlen, in erster Linie Techniken nachzuschlagen, die man bereits zumindest in Grobform beherrscht. Neue Techniken aus Büchern lernen ist im besten Fall sehr sehr schwer und funktioniert eher bei Varianten. Wenn, dann live jemanden dazu fragen der sich auskennt. Ich denke, an “Coaching Wrestling Successfully” wirst Du auch viel Freude haben. Alles andere ist fakultativ
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Ich sage es nicht gerne, aber wirklich instinktiv ringen lernen als Späteinsteiger ist schwer – und ich sage das, weil ich nach bald zehn Jahren mit häufig 12 Trainingseinheiten pro Woche, Förderung durch einen Erstligaverein, private Förderung über Spitzntrainer etc. auch noch nicht da bin, wo ich gerne wäre – ich muss immer noch nachdenken, viel zu wenig macht mein Körper intuitiv etc, und man wird halt nicht jünger. Ich hab mich inzwischen damit abgefunden, dass ich nur mehr ein paar Jahre so weitermachen und dann ggf. als Trainer weiter nach der Erleuchtung suchen kann![]()
Erstmal: Das Patentrezept gibt es nicht. Für viele wäre der beste Ratschlag vermutlich “verbring so viel Zeit wie irgend möglich auf der Matte”. Definitiv ein guter Ratschlag – wenn man wenig Zeit mitbringt, vielleicht der Wichtigste. Das Problem ist halt auch – mit der Zeit auf der Matte steigt das Verletzungsrisiko, umso mehr, wenn man unkooperative oder mäßig geeignete Partner hat. Sprich: schwierige Partner führen dazu, dass man gezwungen ist, sich schnell anzupassen, und ein kapputes Knie ist dann halt schon mal ein Vierteljahr bis ein halbes Jahr Reha. Alles hat eben Vor- und Nachteile. Wenn man die Mattenzeit einigermaßen sicher steigern will, braucht man geeignete Patner; am besten ist ein wirklich guter Techniker mit viel ringerischem Gefühl und Verständnis (als jemand, der sowohl zeigen als auch erklären kann was Sache ist), und der sich nichts (mehr) beweisen muss. Das kann von Situation zu Situation unterschiedlich sein – es kann jemand z.B. ein guter Trainingspartner für Jugendliche sein, aber mit dem fünfundzwanzigjährigen Kraftprotz, der durch die Tür kommt, sofort die Gedult verlieren (mit dem Resultat, dass letzterer nie wieder kommen wird – “A guada hoids aus...”). Ein aktiver Ringer hat die Geduld nur selten, meistens wenn er gerade verletzt ist und dennoch was Ringerisches machen will.
Um das Verletzungsrisiko zu minimieren und neue Bewegungsabläufe schneller verinnerlichen zu können, solltest Du zusätzlich daran arbeiten, Deine akrobatischen Fähigkeiten auszubauen. Buchempfehlung: McClow, Tumbling Illustrated, und da nach und nach versuchen alles unter Level 10 zu beherrschen. Und Du sollltest versuchen, Krafttraining und Gymnastik so dreidimensional wie möglich zu betreiben. Damit meine ich nicht zwingend Training auf drei übereinandergestapelten Gymnastikbällen (obwohl man da sicher toll fallen lernt), sondern zusätzlich zu den Grundübungen Übungsvarianten, die die Muskeln aus allen möglichen Winkeln ansprechen. Als Beispiel für akrobatische Übungen im ringerischen Training siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=LZxNNX_AQ64 Wie viel davon? Na ja, ich sags mal so – wenn man dreimal pro Woche 10 Minuten Akrobatik im Aufwärmen macht, kann man ein akzeptables Level halten. Das gleiche fünfmal pro Woche reicht, um ein paar Details zu verbessern, wenn man schnell lernt. Wenn man sich wirklich steigern will, dann sprechen wir von mindestens zwei oder dreimal eine ganze Stunde als separate Einheit.
Wie integriert man drei Kampfsportarten plus Fitness und sonstwas? Schwierige Frage. Es kommt drauf an, was man von welcher will, würde ich sagen, und wie viel Zeit man hat.
Sagen wir, Dein Muay Thai braucht als Fixtermin drei Abende pro Woche, und BJJ braucht zwei, daneben arbeitest Du sagen wir drei Stunden an Fitness und anderthalb an Akobatik. Damit ist reguläres Ringertraining eigentlich schon außen vor, es sei denn, eine Einheit BJJ ist nur Open Mat am Samstag oder mittags und Du schaffst es an einem Abend pro Woche ins Ringertraining, und das vielleicht auch nicht jede Woche. Das reicht, um ein paar Techniken mitzunehmen, aber schwerlich, um Ringen zu lernen. Es tut mir leid, wenn ich das so offen sagen muss. Von da her würde ich das Ganze von Vorneherein mit der Einstellung sehen – es ist eine zusätzliche Einheit Standup-Grappling. Das in einem Verein zu vermitteln ist nicht ganz einfach und wird vermutlich vor allem in den unteren Leistungsklassen eine Option sein, außer es braucht grad jemand wen zum Rumscheißen, und das ist auf Dauer selten gesund. Die sicherste und zeiteffizienteste Variante ist vermutlich, jemanden zu finden, der Dir – evtl. im Austausch gegen etwas, was Du ihm oder ihr zeigen kannst – Privatstunden gibt und die auf das abstimmt, was Du brauchst. Das, was Du dort lernst, versuchst Du aktiv ins MT und ins BJJ zu integrieren, am besten suchst Du Dir jeweils ein paar Gleichgesinnte und experimentierst mit ihnen noch ein bisschen nach regulärem Trainingsende und / oder machst vor bzw. nach dem Training noch Deine Solodrills oder Puppenarbeit. Die bittere Tatsache ist - wenn man einen Trainingsrückstand wettmachen will, muss man mehr trainieren als die anderen, dabei aber nicht verletzt oder anderweitig ausgebrannt werden. Also alles mit Maß und Ziel, aber mit Tendenz zum Ziel
Ich muss jetzt Schluss machen für heute und werde vermutlich erst nächste Woche dazukommen, wieder etwas dazu zu schreiben. Bis dahin – viel Spaß im Training
Beste Grüße
Period.






) fragen, wenn ich schon mal „Zugriff“ habe: (Wenn du keine Zeit oder Lust hast, einfach frei raus damit und wenn’s dir per PN lieber ist oder irgendwann anders, ebenfalls; ich frage nur deshalb hier, weil dann evtl. noch jemand außer mir von den Ausführungen profitieren kann.)
) sein soll und nicht den Schwerpunkt darstellen? Periodisierung, einzelne Zyklen, ggf. sogar nur einzelne Einheiten in unregelmäßigen Abständen und im BJJ versuchen, zumindest den ringerischen Stand zu halten? Dahingehend noch, wie man das alles deiner Erfahrung nach auch noch am besten mit dem Problem des späten Einstiegsalters gelöst bekommt oder ob du da Tipps hättest?
Das bereits genannte Buch dürfte da inzwischen zu den must-haves gehören, das Autorenkollektiv hat sich da wirklich Mühe gegeben (QR-Codes für Videos zu jeder Technik etc...). Und wenn man sich anschaut, wer die Autoren sind (Trainer von Weltmeister Frank Stäbler, Bundestrainer etc) sollte das Buch schon in den Einkaufswagen gewandert sein 
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